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Tommy Finke: Poet der Affen / Poet Of The Apes

Tommy Finke: Poet der Affen / Poet Of The Apes

Wer mit musikbegeisterten Ohren und Augen im Internet unterwegs ist, dürfte schon mal über Tommy Finke gestolpert sein, vielleicht bei MySpace oder Facebook. Der symptahische Bochumer mit den großen Kulleraugen und dem roten Wuschelkopf präsentierte dort immer mal wieder neue Songs, die er auch live vorstellte, und erarbeitete sich so eine schnell wachsende Fan-Gemeinde. Nach Banderfahrungen mit “Stromgitarre” und Jahren als Solo-Künstler erscheint nun endlich ein vernünftig produziertes und beworbenes Album, genau rechtzeitig zur Ruhr.2010 (Kulturhauptstadt).

Was tun, wenn man sowohl Oasis als auch Rio Reiser zu seinen Vorbilder zählt? Wenn zahlreiche Fans aus dem Ausland die deutschen Texte nicht verstehen? Wenn man sich auch in der englischen Sprache zuhause fühlt? Nun, dann bringt man eben ein Doppel-Album heraus, auf dem alle 13 Songs einmal in deutsch und einmal in englisch zu hören sind. Ein kluger Schachzug, der aufgeht …

Zu hören gibt es gut gemachte, gefällige Indie-Popmusik mit Beatles-Chören und Brit-Pop-Gitarren, mit eingängigen Refrains und punkiger Spielfreude. “Stop The Clocks” ist zurecht die erste Single-Auskopplung – ein kleiner Hit. Die Stärke von Tommy Finke liegt da, wo seine Wurzeln sind: Echte Singer-Songwriter-Perlen wie “Die B-Seite der Single” und “Es kommt kein Schiff” zeugen von Talent und Authentizität. Auch der fast schon an einen Chanson erinnernde Song “Um den Schlaf gebracht” mit Cello und akustischer Gitarre ist ein Kleinod sowie die rockige Nummer “Raus aus dieser Stadt” mit sehr gut umgesetzer Aufbruchstimmung. Ofmals wünscht man sich jedoch mehr Konsequenz, denn was nützt ein traumhaftes Klavier-Intro, wenn es nicht hält was es verspricht? Was hat eine dröhnende unpassend eingesetzte Posaune in einer Ballade zu tun? Warum wird ein so tolles Stück wie “Die Arroganz der Gosse” mit ganz wunderbarer Stimmfärbung am Ende in überföhliche “nanana”-Gesänge geschickt? Die immer wieder durchschimmernde musikalische Verspielheit der Finke-Songs kann ihren Charme nicht durchgehend entfalten. Anders ist das bei dem sehr angenehmen, leicht schnoddrigen und lässigen Gesangsstil. Genau der ist es auch, welcher die Songs in englischer Sprache noch besser hör- und fühlbar macht, auch wenn die Favoriten die gleichen bleiben. In Zukunft dürfen es gerne mehr Ecken und Kanten sein und weniger Keyboards, damit Promo-Begriffe wie “ungeschminkt”, “unmittelbar” und “unperfekt” Wirklichkeit werden.

Textlich geht Tommy Finke keine neuen Wege, muss er ja auch nicht, denn er ist gut. Er ist weder zu verkopft, noch zu banal, aber stets auf hohem Niveau. Es geht in seinen Songs überwiegend um zwischenmenschliche Belange, durchaus von cleverer Kritik und schönen Methaphern durchzogen.

Bei solchen Poeten möchte man gerne Affe sein …

Regina Sommerfeld

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