Hell muss es gewesen sein, als Thees Uhlmann und seine drei Bandkollegen nach den Studioarbeiten an ihrem aktuellen Album ans Tageslicht kamen und einen freudigen Ausruf nach gelungener Lösung einer schweren Aufgabe von sich gaben: Heureka!
Jawoll, Tomte ist zurück und Glückshormone ergossen sich über Deutschlands Slacker-Gemeinde. Die Band ist personell stark verändert, textlich gewohnt brillant und musikalisch etwas mutiger – insgesamt reifer, ja auch besser. Zwölf Songs in 48 Minuten bieten abgeklärten Indie-Rock auf hohem Niveau und akustische Songs voller Wärme und Tiefe.
Während Tomte früher gerne mit Oasis verglichen wurde und Thees sich selber zum Deutschen Morrissey stilisierte, klingen sie auf „Heureka“ eher nach Coldplay mit hymnischen Refrains, Klavier und elektrisierenden Gitarren, wie etwa im großartigen Titelsong. Die sehr gute Vorab-Single „Der Letzte Grosse Wal“ besticht auch auf dem Album als mitreißende kraftvolle Nummer. Erstaunliche fünf Tracks – optimal über die Albumlänge verteilt – sind ruhiger geraten, was auch der Gesangstimme gut bekommt und den Focus noch mehr auf die Texte lenkt. „Früher war ich ängstlich, jetzt hab ich Furcht”, heißt es etwa im vorsichtigen “Voran Voran”. Im nachdenklichen Song „Das Orchester spielt einen Walzer“ versteckt sich die Lebensweisheit „Was hast du alles gegeben? Und jetzt wird genommen!” Dieser wunderschöne Song beginnt als Klavierballade und wächst dann über sich hinaus mit tollen Chören am Ende.
Tomte müssen nichts mehr beweisen und legen prompt mal eben ihr bestes Werk hin, ohne auf den erwarteten Konsens zu schielen. Weniger Bierseligkeit, mehr Leidenschaftstrunkenheit. Weniger Kumpeltyp, mehr Durchblickkünstler. Sie haben sich gefunden, wir dürfen sie behalten.
Regina Sommerfeld