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Tribe: Rebirth

Tribe: Rebirth

Bei Tribe handelt sich um eine 1971 gegründete Jazzformation aus Detroit. Tribe war jedoch nicht nur der Name für die Kapelle sondern auch für ein inzwischen verehrtes Label und einem Magazin. In die Geschichte sind die Mannen um Gründer und Saxophonist Wendell Harrison eingegangen, weil sie zu jener Zeit dem Jazz eine neue Ausrichtung gaben. Diese spiegelte jenen unweigerlich befreienden Geist wieder, der eine ganz eigensinnige und völlig unstarre Definition hervor brachte.

Es war genau diese Spiritualität und diese Kraft zur Veränderung die spätere Produzenten und Musiker aus den Genres HipHop, House und Techno als Hauptinspiration nutzen. Atkins, Dilla, Moodyman – sie alle haben ihre Musik so einzigartig gemacht, weil sie sich u.a. auf Tribe besinnt haben. Da wundert es kaum, dass Carl Craig, selbst ein ganz Großer der Detroiter-Produzenten, den Tribe wieder versammelt hat und mit den alten Revoluzzern ins Studio gegangen ist.

So entstand im Jahr 2007 das Album „Rebirth“ in Craigs frisch eingerichteten Studio. Warum das Album jetzt erst erscheint weiss man nicht. Man kann durchaus vermuten, dass die Erwartungen unglaublich hoch waren. Für die einen ist es einfach guter Jazz der frei und beweglich sein möchte. Für die anderen ist es die Erwartung an eine Weiterführung einer eventuellen Hauptinspirationsquelle. Schwieriger geht’s es also nicht. So kann man das Resultat auch schwer einordnen. „Rebirth“ ist eine sehr spannende Jazzplatte bei der es viel zu entdecken gibt. Der Cosmic-Jazz hat seine ganz eigenen Charme – sollte man das jedoch nicht mit ihrem Debüt „A Message from the tribe“ vergleichen. Dort verknüpfte man Soul, Swing, Free Jazz, eine Prise Funk zu einem Post-Bop-Gemisch, das so revolutionär wie die damaligen Zeiten war. Die alten Herren zeigen jedoch durchaus, dass sie immer noch Jazz ihre eigene Definition aufdrücken. Der Funke, dass diese Scheibe nicht zum Überteil wurde fehlt in sofern, dass wohl jeder hoffte, dass Carl Craig seine epischen House/Techno-Werke mit diesem Jazz kreuzt, sondern einfach nur sehr sehr respektvoll und komplett unspektakulär den Jazz abmischt, den ihn und viele andere zu dem gemacht haben, was sie heute sind – nur dass jener Jazz heute in einer völlig anderen Relevanz wahrgenommen werden muss. Kriegsschauplätze, Rassismus und soziale Ungerechtigkeiten gibt es 2010, also 40 Jahre später, immer noch. Eine wirklich rebellische Art hat diese Platte nicht mehr – jedoch sollte sie definitiv gehört werden. Vielleicht darf man ja darauf hoffen, dass Herr Craig ein paar Kollegen anruft und sie das Material remixen lässt?! Ich glaube er müsste nicht lange fragen.

Peter Hagen

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