Detroit Love: Beseelte Freudensprünge aus Manchester
Da ist er plötzlich. Ein junger Engländer der schon mit den ersten eigens angefertigten Tunes Begeisterungsstürme auslöst. Verglichen wird er sofort mit Detroit Superhero Moodyman und wird überschwänglich in der ruhmreichen Radioshow „Worldwide“ auf BBC von Gilles Peterson gefeiert.
Pendant Benji B. ist auch nicht zögerlich, wenn man nach den musikalischen Visionen von TRUS’ME fragt. Vereint der Mann aus Manchester doch alles in seinen Werken, was die Liebhaber an dessen Vorbildern Theo Parrish und Moodyman doch so schätzen: Jazz, Soul und Funk-Schnitzel im einem housigen Gebräu, welches einfach nur einzigartig klingt.
Die seltenen Singles „Nards“, „W.A.R“ & „In the disco“ beeindruckten und zirkulierten bei wichtigen DJs wie Produzenten gleichermaßen. Die amerikanischen Jazz/House-Fremdgänger Karizma und Carl Craig äußerten sich genauso frenetisch wie der schwedische Raw Fusion-Mastermind Mad Mats und die Berliner der Jazzanova-Familie. Das bringt natürlich Reputation von allerhöchster Stelle. Der junge Soundtüftler aus Manchester scheint nicht nur alle Mixes von Theo Parrish gehört zu haben und den Entwurf von Sole Channel’s Mr.V und Kenny Dixon Jr. studiert zu haben, sondern auch intensiv die Historie von Jazz, Funk und Disco Musik durchforstet zu haben. Die Parallelen zu den eben genannten, etablierten Könnern sind offensichtlich. Schleppende, schwere, dreckige, funk-infiltrierte DeepHouse Bögen werden hier geschlagen. Sie Seele des Grooves von TRUS’ME erfüllt den Raum, der immer noch im HOUSE ist. Das hier ist mehr als eine Referenz an Disco. Hier liebt es jemand mal wieder zwischen den vermeidlichen Grenzen von Techno, DeepHouse und Rare Groove zu schrauben – Applaus ist ihm hier schon sicher, weil genau das oft die Seele bzw. die Mitte der Musik verfälscht. Das passiert hier nicht.
Trus’me baut beschwingte Beats die gerne mal über den eklektischen Tellerrand schauen. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten dass er sich eher an Theo Parrish’s Ugly Edits berauschte als an dessen eigentlichen Werken. Das hier ist durchweg schön und wird immer unten gehalten – natürlich mit viel Soul. Und wenn jemand wie TRUS’ME so unhaltbar seinen Ikonen nacheifert und auch wirklich nahe kommt, ist es unverzichtbar auf diesen strebsamen, hochtalentierten DJ & Produzenten hinzuweisen. Ob es wirklich unter dem Genre House laufen soll oder muss, müsst ihr selbst entscheiden. Unabhängig davon ist sein Debüt schlicht wundervoll – für zu Hause und definitiv auch für den Club.
Peter Hagen (Jazzriots)