Review

Udo Lindenberg – Stärker als die Zeit

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Review:

Die Sehnsucht der Deutschen nach großen Helden ist alt. Die Mehrheit verehrt ihre alten Helden. Maffay, Gröni, Westerhagen…sie schrieben Popgeschichte und leben von ihren Großtaten der Vergangenheit. Lindenberg ist auch einer von ihnen. Auch wenn ihn die Deutschen nicht immer durchgängig für alles was er fabrizierte liebten, scheint es nun so, dass Udo die ewige Sehnsucht nach den Pophelden am ehesten stillen könne. Die junge Garde an hiesigen Erfolgsmusikern wie Max Herre, Jan Delay oder Tim Benzko beziehen sich oft auf die Meisterwerke des Udo aus seiner progressiven Phase in der er wahrlich seinen ganz eigenen Stil in Gesang und Songwriting etablierte. Die 1970er und 1980er definierte Lindenberg mit seiner ganz eigenen Art Musik zu machen prägend mit. Dabei swingte er zwischen Jazz, Punk, Rock und NDW gekonnt mit. Dann folgte eine Phase, an dem er musikalisch nicht mehr relevant zu sein schien. Es folgten Eskapaden, Suff und das Leben als Prominenter. Mit „Stark wie zwei“ kam er vor 8 Jahren dann doch noch einmal in die Gunst der Mehrheit. Mit der Pop-Hymne „St.Pauli“ stellte er sich sogar mit Jan Delay einer neuen Hörerschaft. Udo, der coole Onkel, der ab und an noch etwas zu tief ins Glas schaut und tolle Geschichten über Klaus Doldinger und Nina Hagen und die guten alten Zeiten erzählen kann. Die autobiografischen Züge in seinen Texten sind das Kernstück seiner Musik – schon immer gewesen und auch aktuell. Mit der Selbstreflexion ist das aber auch auf seinem neuen Werk so eine Sache: Man kann es irgendwann fast nicht mehr hören, auch wenn man es echt gut findet, dass sich nach all dem Suff bei seinem Körper in einem Song entschuldigt („Mein Body und ich“). Mit „Durch die schweren Zeiten“ öffnet Udo leider auch die Büchse der Pandora – auch wenn man es ihm nicht übel nehmen will. Er croont authentisch und reflektiv seinen Blues wie kein anderer. Versumpft dadurch auch im unsäglich langweiligen Einheitsbrei zwischen Silbermond, Juli und Christina Stürmer. Da hätte man sich etwas mehr Progressivität wie in seinen Glanzzeiten gewünscht. Wo sind die Ecken, Kanten und Spitzen? Keine zynische Äußerungen über die Afd? Keine Forderungen an Angie Merkel wie damals an Erich Honecker? Udo, was ist los? Gerade jetzt hätte man dich in Bestform gebraucht! Ich will den coolen Onkel wieder haben. Aber trotz alle dem: Du bist in Ordnung, Udo.

Text: Peter Parker


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