Review

Uncle Acid And The Deadbeats: Blood Lust

Uncle Acid And The Deadbeats: Blood Lust

Review:

Gegenwärtige Musik muß Authentizität und Excitement inne haben, andernfalls ist sie in meinen Augen zur Gänze irrelevant.
Uncle Acid & The Deadbeats weisen davon soviel auf, daß ein Song der Band schon mehr Gewicht hat, als 80% aller Alben, die sich in diesem Genre tummeln.

Bisher weiß wohl kaum wer so wirklich, wer genau es ist, der sich hinter diesem augenzwinkenden Pseudonym verbirgt.
Ich auch nicht. Aber eins ist mir klar – das nur schwer zu bekommende (weil arg limierte), diesjährige Album “Blood Lust” steht auf mehr Bestenlisten, als überhaupt Tonträger abgesetzt oder wahrscheinlich auch nur hergestellt wurden.
Und es darf ja schließlich auch mal einen Underground-Hype geben, dem ich was abgewinnen kann.

Mit ironisiertem Splatter/Gore/Slasher-Image (mindestens ein Mord pro Song könnte man sagen) singt sich der Onkel mit markant-sickem Falsetto durch einen brillianten Reigen von 9 Songs, bei denen man einen Qualitätsabfall vergeblich sucht.
Zwischen Stoner-Doom und wirklichem Vintage Psychedelic Hard Rock, mit einem gelegentlich minimalen Spritzerchen Blut… äh, 60s Pop/Beat bis Garage (Kinks, Beatles, The Music Machine), einem sehr abstrakten Bißchen von der Atmosphäre der Soundtracks, die Goblin für Argento geschraubt haben plus dezentem NWOBHM-Moment (Angel Witch und early Maiden) bis hin zu Trouble.
Die Gitarren-Soli (welche nicht gerade so klingen, als ob da ein Neuling am Werk wäre) erinnern mich deutlich an Adrian Smith und Dave Murray von 1982 bis 84, leicht an Iommi und auch etwas an Bruce Franklin. In ihnen löst sich auch am ehesten der 70s Vintage-Moment kurz mal ziemlich auf, denn die Läufe haben öfters mehr Tempo als das in den 70ern üblich war.

Die Uncle Acid & The Deadbeats-Rezeption könnte ungefähr so sein: schließe eine humorvolle, aber geistesgestörte Hexe mit ein paar VHS- oder gar Betamax-Horrorfilmen und einer Gitarre, sowie einer handvoll Platten (darunter keine Produktion nach 1982) und einem Mehrspur-Rekorder ein und teile ihr mit, daß sie erst wieder raus darf, wenn ein Album fertig ist.

Feldversuch gelungen. Das ist schlicht auf seinem Gebiet eines der verflucht besten Releases überhaupt.
Das Genre zwischen Stoner Rock und Doom Metal explodiert ja seit einigen Jahren förmlich, aber qualitativ wirklich herausragende Meilensteine sind wie immer dünn gesät.
Seit Electric Wizards’ “Witchcult Today” hat mich nichts mehr so begeistert wie dieses Werk. Und danach müsste ich dann noch viel, viel länger zurückgehen…

Stücke wie „Over And Over Again“, „I’ll Cut You Down“, „Death’s Door“, “13 Candles”, “Ritual Knife” und “I’m Here To Kill You” gehen flüssig runter wie Öl und bleiben im Gedächtnis. Dennoch ist die Halbwertzeit, bis man sich möglicherweise daran überhört haben kann, bewundernswert hoch.
„Curse In The Trees“ ist noch der kantigste und uneingängigste Tune auf dem Album, nichtsdestotrotz immer noch Oberliga.
„Down To The Fire“ ist der Bonustrack, welcher (sinnigerweise) am Ende mit ein wenig Abstand zu den vorherhergehenden Songs folgt – es ist nicht wirklich Acidfolk (vielleicht hätte man bei dem Track keine Western-Gitarre mit Stahlsaiten nehmen sollen), schon eher schlicht der unplugged Uncle; anders als die restlichen 8 Stücke, aber auch eine gute Nummer.

Die Phrase „wie aus einem Guß“ trifft auf die analoge und recht schmutzige Produktion (Bandsättigung, durch weit in’s Rote gehende Aussteuerung bei der Aufnahme, und ein wenig Demo- und Homerecoding-Feel auf genau dem richtigen Level für meinen Geschmack) zu und auch auf die Schlüssigkeit von Songwriting und Arrangement.
Trotz wiederkehrenden Strukturen und einem eindeutig zu identifizierenden Stil, sind Uncle Acid & The Deadbeats nicht auf Selbstplagiatskurs. Im Gedächtnis fließen die Songteile im Grunde wie zu einem langen Song zusammen, ohne gänzlich gegeneinander austauschbar zu werden. Ein Gefühl, wie man es z.B. 1982, nach den ersten drei Hördurchgängen von „The Number Of The Beast“ gehabt haben mag.

Allerdings frage ich mich, ob die Drums tatsächlich praktisch nur mit Ride-Becken begleitet sind und dem Drummer tatsächlich keine HiHat zur Verfügung stand oder die Oberton-Lastigkeit dort dem (einzig verfügbaren) Medium zuzurechnen ist – einer verflixten CD.
Dass mir so was noch mal passieren würde – einen Silberling käuflich zu erwerben, hätte ich auch nicht gedacht. Aber an eine der auf 350 limitierten Vinyl-LP’s ranzukommen, ist zumindest im Moment noch relativ unrealistisch.
Ob da absichtlich ein Hype kreiert wird oder man mit niedrigen Verkaufserwartungen an die Veröffentlichung heran ging, vermag ich nicht genau zu wissen – aber die mysteriösen Pseudonyme der Bandmitglieder sprechen eher für Absicht. Wenn dem so ist; verharrt nicht zu lange in der Promotion-Trick-Stellung, liebe Killer Candy’s. Her mit dem Vinyl! (Sagt gerade der Drake Records-Plattenverkäufer in mir.)

Ein aktuelles Album-Release, daß ich auch nur mehr als 3 Mal höre, grenzt dieser Tage schon an ein Wunder. Wenn es aber in dauerhafter Rotation befindlich ist, dann bahnt sich da wirklich was Großes an.
Und das findet sich dann eben auch absurd bestätigt durch die Preise, die die wachsende Zahl von Begeisterten bereit ist, für die limitierten Exemplare der bisherigen Releases der Band zu zahlen; für die Vinyl-LP von “Blood Lust” kann man momentan zwischen Euro 150,- und 220,- hinlegen und selbst dann muß man Glück haben, ein Copy der limitierten Scheibe irgendwo abgreifen zu können!

Fazit: Für mich war „Blood Lust“ das beste Album 2011. Punkt.

Text: Ernest Drake



Trackliste:

1. I'll Cut You Down
2. Death's Door
3. Over And Over Again
4. Curse In The Trees
5. I'm Here To Kill You
6. 13 Candles
7. Ritual Knife
8. Withered Hand Of Evil
9. Bonus Track

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