Uptown Strut pres.: Editors' Selection Vol.01
Review:
Im Frühjahr 2008 hat sich etwas bewegt im Blätterwald. Der Büro9-Verlag in Köln gründete und launchte ein neues Magazin für den deutschsprachigen Markt. In kürzester Zeit hat sich die UPTOWN STRUT etabliert und ist zum kleinen Liebling von Musikfreunden geworden die durch Jazz, Funk, Soul und affinen Sounds ihr Leben bereichern.
Das Lob von vielen Seiten ließ nicht lange auf sich warten. Musikliebhaber und Medienvertreter sparten nicht damit, weil das Heft sehr darauf bedacht ist sich abzuheben. Durch Detailverliebtheit, die Verweigerung grafischer Monotonie, hochwertigen Musikjournalismus und der unweigerlich sehr offen getragenen Liebe zur Musik die nicht im Mainstream seine Anhänger findet, hat sich die Uptown Strut in kurzer Zeit viele Freunde gemacht und hat inzwischen eine sukzessiv steigende Auflagezahl. Bei Leibe kopiert dieses Magazin nicht das englischsprachige Pendant „Wax Poetics“. Natürlich streift man durch die Historie der schwarzen Musik und huldigt deren Helden, jedoch sichtet man für den werten Leser auch weltweite aktuelle spannende musikalische Strömungen die im Kontext bleiben (HipHop, Bossa Nova, NuJazz, Reggae, Afrobeat).
Es ist um so erfreulicher, dass der Verlag sich dazu entschlossen hat eine eigene, zum Inhalt der Hefte sehr kompatible CD zu erstellen. Dort findet man Musik über die man in den vergangenen Ausgaben lesen konnte. Diese Compilation ist also eine Art Geschmacksverstärker, der es, wie das Heft, in sich hat. Thomas Berghaus, Verleger und leitender Kopf hinter dem Magazin, hat sich dazu entschlossen nicht nur wichtigen Scheiben aus dem Ausland (Quantic & His Combo Barbaro; Zuco 103) hier zu präsentieren, sondern besonders den einheimischen Projekten eine Plattform zu bieten. Dabei sieht man imponierend welche musikalische Tiefe Musik aus Deutschland doch haben, man jedoch selten davon erfährt weil diese kaum Raum in den etablierten Magazinen bekommen, die dann doch oft nur um die großen Themen der Bereiche Pop und Rock sich drehen oder Kritikerlieblinge hoch jubeln (wie Kollege Reinhard Jellen sehr süffisant in den Linernotes erklärt). So gibt es modernen Bossa aus Braunschweig von Una Mas Trio, Latinjazz aus München von dem Hi-Fly Orchestra, zeitgenössischer Dancefloor-Jazz aus Hannover von den Globalplayern des Projekts Mo’Horizons, saftigen Funk aus Hamburg von Gizelle Smith & ihren Mighty Mocambos oder spohisticaten Spoken Poetry der Madame Fleur Earth aus Köln. Dem nicht genug kommen noch die zwei sehr interessanten Projekte Family Vision Care und Shareholder Tom von Verleger, Produzent und Musiker Berghaus selbst ins Spiel auf denen er die Genres Disco, Pop, Soul und Jazz geschmeidig vereint. Wem das alles als Kaufargument immer noch nicht taugt wird spätestens nach dem großartigen Jazzfunk-Afrobeat-Hybriden „Ugly Duckling“ von AIFF (feat. Rapper Travis Blaque) und loungigen Worldbeat des Sosue-Remixes von Dele Sosimi’s „Wahala“ soweit sein einzusehen, dass selten Sampler eine so große Vielfalt und soviel neues unter das Volk wirbelt.
Peter Hagen
Diese Compilation erscheint am 01.10.10 als Vinyl, MP3 und CD.







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