Der jüngst leider verstorbene Guru hatte mit Jazzmatazz etwas losgetreten, für was man ihn heute liebt. Er hatte die Vision Jazz mit HipHop auf eine gleichberechtigte Ebene zu führen – auch wenn man heute seine Pionierarbeit nur auf die ersten zwei Projektalben reduziert, ist und bleibt die Fusion von HipHop & Jazz eine Idee, die Guru verwirklichte.
Zur etwas gleichen Zeit, Anfang der 1990er Jahre kam ein anderes musikalisches Unterfangen zu Stande. Produzent und Musiker Geoff Wilkinson gründete US3, das gerade in die aufkommende und kräftig rollende Acid-Jazz-Welle einstieg und mit dem Welthit und Herbie Hancock-Update „Candaloop“ jene auch massiv mitbestimmte. Bis heute ist dieser Song stellvertretend für die Zeit, nicht nur weil er immer noch auf jeder zweiten Studentenfete vom DJ geschmettert wird.
Seit diesen Tagen ist viel passiert. Wilkinson hat viel gemacht und probiert. Er hat nie aufgehört, das Projekt US3 weiterzutreiben. Latin Groove, Neo-Soul, Rhythm & Blues – immer wieder setzte er neue Schwerpunkte und nicht immer war ihm das Publikum und sowie das Majorlabel wohl gesonnen. Nach einer frustrierende Phase und dem abflauenden Interesse an seiner Musik holte sich das Mastermind mit einigen Japan-Only-Releases sein Selbstvertrauen zurück.
Nun ist US3 zurück. Die skillz-beladenen Rapper Akil Dasan und Gaston, die bereits auf dem Vorgänger „Say What“ vertreten waren, sind auch wieder dabei und haben offensichtlich einen massiven Einfluss auf die Kunst des Meisters genommen. US3 sind nicht mehr so cheesy, so clean und verspielt wie auf manch einem alten Werk. Hier werden die Drums hart und trocken gepeitscht („Puppets“), der Sound ist rougher geworden und hat seinen Fokus auf Rap gelegt. Die zwei MCs geben eine hervorragende Vorstellung und geben „Lie, Cheat & Steal“ eine frische 90s-Stimmung. Mit den Stücken „Uptown“ und “Invincible“ gelingt ihnen sogar eine Hommage an die Blockparty/Parkjam-Zeiten der alten Schule. US3 ist natürlich immer noch Trademark US3 und stellt für die Fans, die den Jazz-Einschlag mehr mögen, genug bereit. Eine rundum gelungene Scheibe. Damit wäre auch Guru d’accord gewesen. Da bin ich mir sicher.
Text: Peter „Parker“ Hagen