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Various – Ten Years – Who cares?

Various - Ten Years - Who cares?

Es gibt wenige Künstler auf der Welt die ein vergleichbar starkes Branding haben wie das Produzenten und DJ-Kollektiv Jazzanova aus Berlin. Das ist auch der Grund, warum diese 6-köpfige Gruppe an Musikaktivisten so lange Zeit einen so schweren Stand in der Öffentlichkeit hatten. Zum einen liebte man sie seit ihren JCR-Zeiten für ihren futuristischen Ansatz (vor allem in ihren Remixen), den sie um einen Jazz-basierenden Groove bastelten – zum anderen ließ man sie nie wirklich aus dieser Ecke heraus. Zu stark waren die Begriffe ,,NuJazz” und ,, jazzy House/Lounge” mit ihnen verkuppelt. Neben der völligen Unabhängigkeit war das wohl auch ein Grund, dem Publikum hier eine neue Sichtweise zu geben und nach der Trennung vom Compost Records seine eigenen Visionen zu verwirklichen. So entstand 1997 das Sonar Kollektiv Label.

Wenigen ist es bisher gelungen, sich so lange, als Independentlabel, im hart umkämpften Musikbusiness zu halten. Das ist ein wichtiger Punkt, dem man zu allererst Respekt zollen muss. Bei einem genaueren Blick auf die Entwicklung des Sonar Kollektiv wird dieser Eindruck umso intensiver. Wie schon in den berüchtigten und bis heute sehr spannenden DJ-Sets der vier Jazzanova-Djs (Alex Barck, Claas Brieler, Jürgen v. Knoblauch und Roskow Kretschmann) ist es die universelle Formel der ,,Eklektik” die genauso wie der Labelkatalog fasziniert. SK haben es geschafft – im Gegensatz zu den grossen Majors – talentierte Künstler weltweit zu finden, behutsam aufzubauen und dann massiv zu supporten. Netzwerke und Kanäle dafür haben sie sich über die Jahre hinweg selbst aufgebaut.

Natürlich gibt es immer noch die große Liebe zum Jazz – dem Ausgangspunkt jedes Release von SK. Es kam und kommt immer darauf an, welche Fusion diese Liebe einging. Beeindruckend ist welche Vielfalt und Qualität hier in den letzten 10 Jahren entstanden ist. Genauso beeindruckend deshalb auch die neue Jubiläums-Doppel-CD mit einem feinen Rückblick. Die abstrakten Wege in den Beatfrickel-Wahnsinn von HipHop und Elektronika eines Forss, Arken oder Dimlite. Die beseelten Reggae-Exkursionen aus Neu-Seeland (Fat Freddy’s Drop). Die House-Innovationen sowie Detroit-Verneigungen (Ame, Markus Enochson, Moonstarr). Oder die Broken Beat/NuJazz-Hymnen (Slope, Umod, Outlines). Diese Liste ist bunt und groß – und retrospektiv ähnlich imponierend wie die ,,Compost 100″-Compilation/Rückschau. Herzlichen Glückwunsch und hoffentlich auf weitere zehn Jahre.

Peter Hagen (Jazzriots)

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