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Various: Achilifunk

Various: Achilifunk

Der Mensch ist ein Sammler und Jäger. Sein verloren geglaubter Instinkt tritt ab und an noch mal zum Vorschein. Für die Sammelleidenschaft gibt es ja en Masse Beispiele. Bei dem Klassiker Briefmarken angefangen bis zu Überraschungseier-Schlümpfen oder Wanduhren. Es gibt wirklich nichts, was nicht irgendwo auf der Welt gesammelt wird. Auch Vinylfreaks kennen diese Gefühle. Sie vereinen wie andere Sammler auch den Jäger in sich. Bei diesem ewig antreibenden Suchen nach verloren Schätzen des schwarzen Gold haben es in den letzten Jahren weltweit einige Leute auf die Spitze getrieben bzw. perfektioniert. Suchtexperten werden das wohl als gefährlich bezeichnen, Gleichgesinnte als pure Passion. Durch die Acid-Jazz-Welle um Gilles Peterson, Josh Davis, Keb Darge, Rainer Trüby etc. reanimierte Rare-Groove-Fieber wird inzwischen weltweit nach rarem, vergessenen Groove gefahndet als wäre die Nerds bei Scottland Yard ausgebildet. Das Schönste dabei ist, dass die Protagonisten ihre Schätze in ihren DJ-Sets und Compilation-Veröffentlichungen mit einer breiten Masse an Interessierten teilen können. Labels wie Vampisoul, Brownswood, Soul Jazz Records, BBE oder Tramp Records sind hier als schöne Beispiele zu nennen.

Ein bisher international gänzlich unbekannter Kollege dieser Zunft, Txaly Brown aus Barcelona, hat nun etwas wirklich aussergewöhnliches aus den Kellern, Flohmärkten und Archiven Spaniens ausgegraben. Brown hat auf „Achilifunk“ eine ganze Epoche zwischen 1969 und 1979 dokumentiert. In dieser Phase haben sich Rumba und Flamenco ihre ganz eigenständigen Fusionen mit Funk u. Soul gesucht. Analog zu Brasilien „Tropicala“ hat diese Musik auch ihre sozial & Regime-kritische Hintergrund während der faschistische Diktatur Francos. Brown reichte es aber nicht einfach nur eine Zusammenstellung als Einblick in diese Musik zu geben. Er recherchiert akribisch und dokumentiert dies auf 100 (!) Seiten im Booklet faszinierend mit Impressionen in Bild und Wort (In spanisch, englisch und japanisch). Selten hat man etwas vergleichbares Komplettes, Ausgereiftes und Perfektioniertes gesehen. Das ist eine bewundernswerte Rundrum-Versorgung um dieses Thema. Eine Geschichtsstunde und Reise in die Vergangenheit Spaniens und seiner vergessenen, ansteckenden Musik.

Peter Hagen (Jazzriots)

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