Various: Afro Rock Vol.1
Review:
Die 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts waren in vielen Ländern der Welt die mit dem höchsten popkulturellen Output: Warhol auf Velvet Underground-Lp´s, Black Power und die 68er-Bewegung. In Afrika, dem “Motherland”, war es die Zeit, in der die meisten Staaten ihre Unabhängigkeit erlangten – und der Afro-Beat geboren wurde. Dass nicht nur in Lagos afrikanische Musikgeschichte geschrieben wurde, beweist die Compilation “Afro-Rock Vol.1”.
Ursprünglich auf Kona Records, einem kleinen Imprint des afro-affinen Briten Duncan Brooker, 2001 erschienen, nahm sich Strut Records nun an, die Schätze wieder neu aufzulegen. “Afro-Rock Vol. 1” reflektiert die musikalische Schöpfenskraft von Ländern wie Kenia und Zaire. Länder, die Duncan Brooker in den 90ern zigmal bereiste und jedesmal pfundweise Singles mit nach London nahm. Der Name des Samplers mag beim ersten Hören etwas verwirren, handelt es sich nicht um Afro-Rock, sondern um “Heavy Original Afro Funk”. Die meisten Stücke sind Raritäten, da Schallplatten in Afrika zu dieser Zeit ein seltenes und luxuriöses Gut waren und so oft gespielt wurde, dass die Klangqualität in Mitleidenschaft gezogen wurde. Jingo´s “Fever”, der erste Track, gibt gleich Tempo und Richtung des Samplers vor: schneller Uptempo Jazzfunk à la Herbie Hancock. Er schaffte es sogar auf den Soundtrack von “Last King of Scotland”. Unverblümt zeigen sich die Einflüsse westlicher Soul- und Funkmusik: Deep Funk, vom Rhythmus der Gitarren getrieben, perkussive Big Band Sounds und Bläserarrangements. Musiker wie James Brown demonstrierten nicht nur eine enge Verbindung zu Afrika, sie infizierten den Groove auf dem schwarzen Kontinent maßgeblich. Herausragenster Track auf dem Album dürfte sicher “Mabala” von den “Yahoos” sein, ein spaciger Psych-Funk Smasher in der Tradition des Moog-Sounds von Jean-Jaques Perrey.
Ein kleiner Tip für Fans: Neben Strut kümmern sich auch die Labels Soundway Records und Analog Africa liebevoll um die musikhistorische Aufarbeitung panafrikanischer Populärkultur.
Text: Michael Ortner







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