Review

Various: Brazilectro Vol.10

Various: Brazilectro Vol.10

Man muss hier wirklich unterscheiden: Es Kaffeehaus-Lounge-Gedudel und es gibt Compilations die verschiedene Teilbereiche des Chill-Out-Universums anschneiden. Brazilectro ist hier die bewährte und bekannteste Alternative.

Oft erwischt man sich ja gerne selbst dabei, den „guten alten Zeiten“ nach zuweinen und den neuen Output doppelt kritisch zu beäugen. Bei relaxten Downbeats, also der oft verkifften und verspielten Fusion zwischen HipHop, Dub und Electronica ist das bei sehr vielen Leuten heute immer noch Kruder & Dorfmeister, vielleicht noch DJ Krush und die wohl für immer unantastbaren Massive Attack. Soweit die Retrospektive.

Nur, und sei explizit hier noch mal hervorgehoben: Die neuen Sampler haben auch ihre Highlights – ja manch einer sogar ganz viele davon. Die Reihe Brazilectro hat schon seit ihren Anfängen bewiesen dass Kompetenz, Insiderwissen und Weltoffenheit dazu gehören, eine hochwertige Zusammenstellung hinzubekommen. Hier darf man nun, in der zehnten Folge, weitere Symbiosen, und das sind die meisten wirklich, lauschen. Symbiose, weil sich hier zeitgenössische und oft auch clubrelevante Beats mit Elementen der brasilianischen, traditionellen Musik sowie der Klänge lateinamerikanischen Wurzeln beinhalten.

Auffällig ist auf dieser Jubiläumsausgabe, dass bei all den Bossa-House, Latin-Chillout und NuJazz-Exzessen, die man in den letzten Jahren, teilweise zu Spottpreisen, um die Ohren behauen bekam, das ursprüngliche Original „Brazilectro“ sich hier auf wieder „genre-relevante“ Tunes einlassen, die jedoch wieder vermehrt die Nähe zur Roots-Musik sucht als je zuvor. Eine wahre Gegenbewegung gegen die DeepHouse/Detroit/Minimal-Welle, die in letzter Zeit dominiert hat. Für einen Sampler, der für den Sommer gebaut ist, natürlich eine erfrischende Rückbesinnung – die Spass macht. Der Compiler Ralf Zitzmann, hatte wieder ein gutes Händchen. Die Kritik, er würde zuwenig abstrakten Undergroundstuff hier versammeln, kann an im lässig abprallen. Das ist hier gar nicht gefragt. Der heterogene Mix macht Laune. Auf CD2, die für „Danca“ zuständig ist – hat er wahre Feuerkraft wie Modulo’s „5 Yeah“ und Quantic’s um ein weiteres Mal kultiges „Sabor“ versammelt. Auf der für „Comoda“ zuständige CD1 darf man nujazzige, latin-affine Vorzüglichkeiten der durchaus geschmeidigen Franzosen von Metropolitan Jazz Affair oder dem gerade hoch gefeierten TruThoughts-Brazilafrofunker von Saravah Soul. Zitzmann beweisst wieder sein Nässchen für aktuelle, spannende Strömungen und rare, brasilianischer Künstler. Lass die Sonne rein.

Peter Hagen

www.1beat.de verlost in Kooperation mit SPV drei Exemplare dieses Sommer-Soundtracks.

Die ersten drei Emails gewinnen.

Schreibt eine Email mit dem Betreff “Brasil in meiner Badehose” an redaktion@1beat.de und beantwortet die Frage:

Wer ist der Compiler der Brasilelectro-Compilation?

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