Die Entdeckungsreise des Gerald Short geht weiter. Dieser Mann ist ein Phänomen.
Er scheint von einem der schwersten Digger-Krankheiten befallen, nein besessen zu sein.
Der Siegeszug des Rare Grooves ist klar gekoppelt an den Aufwind den Produktionen haben, die unter dem Banner des Retro-Funk firmieren. Nicht umsonst spielen Popstars wie die verruchte Amy Winehouse mit den New Yorkern der Creme de la Creme der Funk-Renaissance, The Dap-Kings, live auf den Bühnen der Welt. Das Londoner Label Jazzman Records ist die Plattform ihres Chefs Gerald, genannt „Jazzman“ Shorts. Hier gräbt er weltweit tief in den Archiven, Kellern, Flohmärkten, Plattenbörsen u.- Läden nach verlorenen Vinylschätzen und veröffentlicht sie wieder. Short war einer der ersten, die diese Passion perfektionierten. Dieser Mann hat eine Berufung. Wenn er nicht gerade hinter den Plattenspielern die Clubs dieser Welt bespielt, widmet er sich der Arbeit der Nachforschung. Die von ihm entdeckten schwarzen Perlen sind oft in einer sehr kleinen, oft exklusiven Auflage erschienen. Viele dieser Entdeckungen sind oft nur regional erschienen und haben in einer ganz bestimmten Gegend, eine ganz spezielle Epoche geprägt. Um die Herkunft, Geschichte und Rechte dieser 7inches zu klären, fährt er oft um den halben Globus. Nach seinem hochinteressanten Einblick in den „Florida Funk“ hat er sich in den letzten Monaten mit dem Groove aus North und South Caroline / USA beschäftigt – und ist mal wieder auf eine Goldmine gestoßen.
Irgendwo zwischen „pure“ und „obscure“ kann man die 22 Tracks auf „Carolina Funk“ ansiedeln. Die Faszination geht von der Energie aus, die alle Songs miteinander verbindet. Der blanke Partywahnsinn starten die Dynamite Singletary auf „Super good“, während die Kapelle Soul Impossibles „Soul Power“ von James Brown interpretieren. Sundia fordert auf „Stand up and be a man“ in einer schwierigen Zeit für Farbige kein Black Power sondern die
Unterstützung und Courage ihrer Mitmenschen so inbrünstig, dass man kaum um eine Gänsehaut herum kommt. The Soul Drifters nehmen dann mit tonnenschwerem heftigem Garagen-DeepFunk auf, der das Blut auf der Tanzfläche zum kochen bringt. Weird Shit. Mit James Resse & The Progressions kommen noch die spanischen Trompeten und moody percussions ins Spiel. Der Höhepunkt erreicht der Sampler aus rarem und teilweise nie veröffentlichtem rohen Material, wenn der auf die Knie gehende, flehende und leidenschaftliche RAW SOUL auf „So very hard to make it“ von Paul Burton geschmettert wird. Amen, Leute, Amen.
Peter Hagen (Jazzriots)