Wer die Veröffentlichungen des Münchners Compost Label seit Jahren verfolgt, weiß von der progressiven und freigeistlichen Denkweise und Philosophie des Freestyle-Imprints. Labelchef Michael Reinboth hat sich nie, auch von außen immer wieder herein getragen, darauf eingelassen sich auf „future jazz & lounge grooves“ zu reduzieren. Der Schritt, für elektronischere, techy Strömungen ein Sublabel zu schaffen, war vor drei Jahren ein mutiges Unternehmen. Stand Compost zwar schon immer für couragierte Veröffentlichungspolitik und Strategien, wollte man sich anfangs nicht wirklich damit anfreunden, dass man in die neuen Metiers einschreiten wollten, auf denen bisher illustrierte Kollegen von Playhouse oder Kompakt Records den Ton angaben. So schaffte es Reinboth mit dem Compost Black Label innerhalb kürzester Zeit eine fulminante und international gefeierte Rückkehr auf die Tanzflächen zu fixieren. Gestandene Größen am Plattenteller wie DJ Hell, Osunlade oder Rainer Trüby teilen die Euphorie für den hypnotischen, schwer pumpenden (Tech)-House Sound, welcher den zeitgenössischen Entwürfen von Innervisions oder der Drumpoet Community gar nicht so weit entfernt scheint und trotzdem seinen ganz eigenen Charakter durchsetzt.
Dass dieser Sound auch die Wohnzimmer der Nation beschwingen kann, hat der Blacklabel-Soldier der ersten Stunde, Jay Shepheard, aus den 14 Stücken einen feinen Mix gezaubert. Bevorzugt brachial minimal, episch dunkel und auch gerne beseelt und voll gepackt mit Deepness – hier erreicht jeder Song, das was er vorgibt. Von Vorteil war es Herrn Shepherad hier als Dj zu bemühen. Er schafft es, mit seinen Mixing-Skillz ein wirkliches Erlebnis, die Home-House-Party, mit Höhen und Tiefen auszuleuchten bzw. noch mal etwas mehr aus einem vorzüglichen Set herauszuholen. Neben etablierten Kräften wie Alex Attias, Matt Flores und Minus 8 beweisen hier der Karlsruher Shahrokh und der Münchner Muallem, dass der Nachwuchs das nächste Level anstrebt und nach vorne prescht. Can you feel it?!
Peter Hagen