Nachdem schon Danny Krivit und Kenny Dope sich daran begeistern und es sich durchs Archiv mixen durften, kann man nun auf „Deep Disco Culture Vol.2“ eine weiteres prall gefülltes Packet mit seltenen und exzellenten Disco-Raritäten käuflich erwerben. Der funky Disco-Sound aus Harlem/NYC beeinflusste nicht nur die damalige Szene sondern auch die spätere NY-House Produktionen sowie House allgemein. Die 28 Songs die Suss’d hier präsentieren sind Underground-Hymnen jener Jahre, als Studio 54 das Non-Plus-Ultra war. Obwohl diese Auswahl eine ungemein hohe Qualität mit eingebauten Ohrwurm und Tanzgarantien beeinhaltet, war es damals wie heute. Die Songs erreichten nur Ruhm unter bekannte DJs und Sammlern. Daran hat sich wohl nichts geändert. Sie bilden einen dynamischen ganz eigenen Charakter als Gegenpol zu bekannten Discohymne und Alltime-Classics aus diesem Metier. Wo man sofort an Gloria Gaynor oder Earth,Wind & Fire denkt, liegen diese Stücke in einem Kosmos, denn wohl schon damals nur Experten, Nachtfalter und Nerds entdeckten. Aber das solche musikalischen Goldstücke nicht in den Archiven verstauben werden sie überveröffentlicht.
Das Label wurde in den 70er von Patrick Adams & Peter Brown gegründet und geführt. P&P war wohl neben Salsoul Records und Westside Records eines der wichtigsten und einflussreichsten Plattformen. Im Gegensatz zu anderen Labels in dieser Zeit produzierten sie zwar sehr viel, jedoch verlor die Masse nicht an Substanz. Wenn man sich diese Stücke anhörte, kann man sich darüber freuen, dass es eben nicht die ausgelutschten und todgehörten Disco-Granaten der YMCA-Klasse ist. Hier kann man sich von einem Disco-Sound, einer ganzen Ära aufklären lassen, die soviel mehr musikalisch zu bieten hat als viel Rare Groove-Verfechter propagieren. Die Universal Robot Band mit ihrem mörderischen Funk-Antrieb, das druckvolle, percussion-verliebte „San Salvador“ (Azoto) oder die aufgedrehte Ansage „Stomp your feed“ von Kim Taylor. Wo man sich dann doch wirklich manchmal genervt von solchen, inzwischen zum Bauern-Stamper gewachsenen Foxmonster, ekelt – bringt dieser Sampler den Zauber des Disco zurück. Manchmal orchestral und cheesy und öfters doch superb funky und pervers ansteckend wie Aids in den 80er. Wenn man Disco Musik auf „Rock me Baby“ (George McCrae) oder „Ma Baker“ (Boney M.) reduziert, wird man hier positiv aufgerüttelt.
Bei dem Revival der Funk & Soul Music könnte es durchaus sein, dass diese Compilation auch Freunde gewinnen kann. Eine Retro-Welle in dieser richtig, analog zum Funk, ist wohl aber nicht zu erwarten. Auch wenn die Scissor Sisters an diesem glamourösen Sound wohl ihre grösste Inspirationsquelle für ihre Megahits „I don’t feel like dancin’“ gehabt haben.
Macht nichts. Entdecken kann man D.I.S.C.O, wie es mal die Ottawan 1979 besangen, hier ganz wunderbar. Die Mitte dieser Musik strahlt heute immer noch Tanz und Lebensfreude und noch mehr Partydunst aus.
P&P ist Tanzmusik die nicht nur die Welt bis Anfang der 80er Jahre beherrschte, sondern bauten eine Brücke für alle aktuellen Musikströmungen unserer Zeit. Sie vereinigten das Feuer des Funk und die Intensität des Souls in einem poppigen, progressiveren Format – das massentauglicher war als alles was vorher da war. Das war vor Techno, House, HipHop und R’n’B. Ein Rückblick der nicht schöner sein könnte.
Peter Hagen (Jazzriots)