Review:
Die karibische Muse der Compass Point Studios in Nassau küsste viele Künstler und trieb sie zu Höchstleistungen und genialsten musikalischen Ergüssen. Pop und Rockstars wie die Stones oder Brian Ferry’s Roxy Music ließen sich durch die sonnige Atmosphäre der Bahamas inspirieren. Das Wetter war jedoch nur der Bonusaspekt. Das von Chris Blackwell 1977 gegründete Studio hatte den Sound kreiert den die Schickeria in den angesagten New Yorker Clubs wie das Paradise Garage zelebrierte. Der Disco-Glamour der Studio 54 wurde durch den extravaganten Sound der 80s verdrängt. Dieser spezielle Sound kam aus den heiligen Hallen von Compass Point und hat die Jahre 1980-1986 geprägt wie kein anderer. Die Mixtur aus Funk, Dub und New Wave läutete das Popzeitalter ein. Hinter dieser musikalischen Mischung standen die jamaikanischen Studiomusiker und Produzenten Sly (Dunbar) und Robbie (Shakespeare). Ihr polyrhythmischer Discopop verzückte bald die ganze Welt. Die Werke von Grace Jones („My Jamaican Guy“) und den Talking Heads („Born under Bunches“) stehen für diese Epoche Pate. Charakteristisch stehen sie für eine ganz markante Art von Music die den Discosound der 70er abzuschütteln, ohne ihn anzugreifen. Die Übergänge waren oft gleitend, nicht unbedingt abrupt. Discohelden und Legen wie Larry Levan & Francois Kevorkian hatten hier durchaus noch ihre Einflüsse, was man den Remixen von „Dance Sucker“ und „Padlock“ gut hören kann. Oft werden die 80s ja auf A-ha oder Kim Wilde reduziert. Die ultimative Retrospektive ist die auf Strut Records veröffentlichte Compilation „Funky Nassau: The Compass Point Story 1980-1986“. Hier wird noch mal verdeutlicht was die Tontechniker Stanley & Sadkin hier gezaubert haben. Das Nebenprojekt des Talking Heads-Mitglieds Tina Weymouth, Tom Tom Club, scheint mit „Genius of Love“ der bekannteste Stück hier sein. Vielen wird dieser Song nur als Grundlage des Mariah Carey & ODB-Zusammenspiels oder „It’s Nasty“ von Grandmaster Flash und seinen furiosen Fünf bekannt sein. So seid Euch sicher, die die das Original noch nicht kennen – das ist ein Brett! Überhaupt gibt es neben sehr eher unpopuläreren Material auf diesem Sampler bestes Tanzflächenfutter wie das funkende „Don’t stop the music“ (Bits & Pieces) oder das knackige „Spasticus artisticus“ (Ian Durey). Für diese gelungene Musikgeschichtsstunde oder Erinnerungspaket gibt es dann noch ein ausführlicherer Bericht mit alten Fotos im Booklet um die Impressionen noch mal zu vertiefen.
Peter Hagen
Trackliste:
| 1. | Grace Jones- My Jamaican Guy (12" version | |
| 2. | Tom Tom Club- Genius Of Love (12" version) | |
| 3. | Talking Heads- Born Under Punches (The Heat Goes On) | |
| 4. | Guy Cuevas- Obsession ( The Nassau Mix) | |
| 5. | Set The Tone- Dance Sucker (Francois Kevorkian Mix) | |
| 6. | Gwen Guthrie- Padlock (Larry Levan Mix) | |
| 7. | Bits & Pieces- Don't Stop The Music | |
| 8. | Sly Dunbar- River Niger | |
| 9. | Lizzy Mercier Descloux- Sun Is Shining | |
| 10. | Cristina- You Rented A Space | |
| 11. | Ian Dury & The Seven Seas Players- Spasticus Autisticus (Version) | |
| 12. | Chaz Jankel- feat. Laura Weymouth- Whisper | |
| 13. | Will Powers- Adventures in Success (Dub Copy) |
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