Die Älteren unter uns können sich noch gut daran erinnern. In den 1980er Jahren gab es noch den „Eisernen Vorhang“ und davor lag ein neu aufgebautes Deutschland welches als Pufferzone zwischen der amerikanischen Demokratie und dem vermeidlich bösen Kommunismus der Sowjets galt. Diese Pufferzone war seit dem 1945 in Besatzungszonen eingeteilt. Die amerikanische Zone bezog sich auf alles was nördlich der A8 befand. Dazu gehörten die süddeutschen Gebiete um die Städte Heilbronn, Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe neben der Pfalz und Bayern. Um so länger diese Besatzung stattfand umso mehr Amerikaner fanden hier ihren Lebensmittelpunkt – manche nur temporär, manche für 40 Jahre.
Dieses Zusammenleben bringt natürlich gesellschaftliche Veränderungen. Kulturelle beeinflussten die hier stationierten Soldaten natürlich auch ihre Umgebung. So bildeten sich früh eigene Radiosender und man fand immer mehr amerikanische DJs in den Clubs.
Diese brachten unweigerlich neuen Sound auf die Tanzflächen und in die Hörgewohnheiten der Deutschen, die bekanntermaßen den Funk, den Soul, den R’n’B nicht so sehr schätzten und wohl auch nicht kannten. Dem machen die so genannten „G.I. Disco“ ein Ende und pumpte vor allem in den 1980ern den Groove in die Clubs zwischen Frankfurt, Heidelberg, Stuttgart, Westberlin und überall wo es die Djs hin verschlug.
Die Berliner Musiksammler- und Kenner Kalle Kats und Daniel W. Best (Sonar Kollektiv) haben sich diesem Thema gewidmet und eine tolle Compilation zusammengestellt die es in sich hat. Dabei vergessen sie nicht die Gassenhauer wie „Rumors“ (Timex Social Club) und „Freeze“ (I.O.U) neben Insidergroovegranaten von Interpreten wie Cashmere, BB & Q Band, Barbara Mason oder Wish. Gerade diese Tunes dokumentieren den Spagat den die US-DJs in Deutschland machten und die hiesige Klubkultur mitprägten und eingängige discoteske Nummern spielten die funktional waren, jedoch die Basis von Funk & Soul nicht ganz in dem 80s-Pop-Wahn verloren. Das hat damals bestens funktioniert und ist auch heute noch ein musikalisches Zeitdokument das an Wirkung nicht verloren hat. Gute Laune-Tanz-Sampler könnte man das schimpfen! Cheesy & nice.
Peter Hagen