Review

Various: Gilles Peterson Worldwide

Various: Gilles Peterson Worldwide

Jedes Jahr macht Gilles Peterson bei Freunden in Deutschland einen Besuch. Zwei dieser Freunde sind so etwas wie Seelenverwandte oder Artgenossen. Der eine heißt Michael Rütten und wurde bekannt durch sein vorzüglichen Radioshows (Soulpatrol, Compost), DJ-Sets und Journalismus für das JazzThing-Magazin. Der andere, Rainer Trüby, ist weltweit berühmt geworden, weil er im Zuge des so benannten Future Jazz oder NuJazz-Movements Mitte der 1990er zu einem der bekanntesten Plattenleger des Genres wurde und zu internationaler Reputation kam. Der britische Radiomacher und DJ Gilles Peterson ist wohl neben dem verblichenen John Peel die Figur mit der größten Motivation neue, spannende Musik zu entdecken und dabei keine Schubladen zur Spezialisierung zu benötigen. Die Konsequenz ist die große Stärke dieses musikverrückten Mannes. Rütten, Trüby und Peterson gelten als Eklektiker, d.h. sie haben die besondere Fähigkeit in ihren musikalischen Abenteuern Jazz, Funk, Soul, Afrobeat und Weltmusik mit zeitgenössischen, futuristischen Sounds für den Club zu verschmelzen.

GP’s Worldwide-Radioshow auf BBC läuft seit 1998 und ist seitdem eine richtige Marke, weil man dem Geschmack und der Entdeckungslust Petersons fast blind vertrauen kann. Woche für Woche bewies und beweist er es noch immer in seiner Sendung. Dazu hat er vorzügliche Compilations veröffentlicht.

Peterson war es, der den heutigen UK-Superstar Dizzee Rascal der Welt vorstellte, als dieser noch im Untergrund des Grime unterwegs war und noch nicht mit House-Heroen wie Armand van Helden arbeiten konnte. Er war es auch, dessen Einladung zu Live-Performances (The BBC-Sessions) sofort illustre Gäste wie Björk, The Roots, Nerd, Beck oder Jamie Cullum folgten. Er war es, der Steve Spacek, Seun Kuti oder Dwele die gebührende Aufmerksamkeit schenkte und Amy Winehouse mit Ideen für ihre Remixes (Bugz in the Attic, MJ Cole, Mark Pritchard) beriet und weiter empfiehl. GP spielt und feiert Jazz (Jose James, Little Dragon) als wäre es die neuste Popsingle. Was bei Peterson in der Show lief, war geadelt und wurde weltweit von den Musikliebhabern gekauft. Die wichtigen Freistil-DJs (Mad Mats, Jazzanoa, Eddy Ramich etc.) spielten es, wenn es durch die Qualitätssichtung des Engländers ging. Er huldigte den Detroit-Helden Theo Parrish und Moodyman so regelmäßig, wie auch HipHop-Innovatoren von Dilla bis Q-Tip. BBC-Kollege Benji B. nennt Peterson als seinen Mentor und als seine Inspiration.

Dass das alles nicht konträr zueinander steht, beweist die neue Compilation auf BBE, die ihm und seinem Aktivismus gewidmet ist. Hier gibt es 27 Songs, die er mit seiner Show groß gemacht hat. Auch hier sieht man die Bandbreite von Dubstep (Benga) zu Soul (Erykah Badu) über Downbeat (Cinematic Orchestra) zu NuJazz (RSL), Future Soul (Sa-Ra) uvm.

Sie kennen das Sounduniversum des GP noch nicht? Dann ist dieser Sampler eine großzügige Einladung und vorzüglich, kompakt geschnürte, Gelegenheit dazu.

Wer das Tun von Gilles Peterson bereits seit Längerem verfolgt, wird die Platte eher nur dann benötigen, wenn er gern konzentriert die Vielzahl und Reihenfolge der Stücke in genau dieser Form besitzen möchte.

Auf weitere 12 Jahre mit einem weltweiten Gilles Peterson!

Peter Hagen

Veröffentlicht am

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Connect with Facebook

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>