Mit den Fania-DJ Series hat sich das Nuyorcian-Label Numero Uno wieder etwas in das aktuelle Geschehen schießen wollen. Hier haben Plattendrehergrößen wie Gilles Peterson oder DJ Format ihre Favoriten aus den Archiven ausgewählt. Viel Wind um eigentlich nicht viel. Obwohl beiden musikalisches Wissen, Digger-Qualitäten und DJ-Erfahrung niemals abzusprechen sind, hatte man nie das Gefühl das sie mit ihrem Mix das Fania-Feuer wirklich lodern lassen. Und wer schon mal nur ein wenig von dem New Yorker-Kultlabel gehört hat, der weiß, dass hier wahre Schätze vergraben sind – die unbedingt und immer wieder in die Gehörgänge der nächsten Generationen gespült werden müssen. Diese Unterfangen kann man heutzutage mit vielen Strategien verbinden. Motown wagte 2005 den Schritt, einigen Produzenten zu erlauben, die Klassiker zwischen Smokie Robinson, Stevie Wonder und Marvin Gaye zu remixen und ernteten viel Spott, weil Einiges in die Hose ging. Das Ansinnen, alte teilweise zeitlose Klassiker des Soul in ein neues, zeitgenössisches Gewand zu legen und auch noch relevant für aktuelle Tanzflächen zu machen war und ist sehr schwer. Zu Recht werden hier die Fragen gestellt, ob man das braucht.
Das Fania-Label will das jetzt so. Der Blick auf die Liste der Remixer hört sich sofort super an und beweist bis hier her schon mal, dass man hier Leuten vertraut die nicht nur ihr Handwerk bestens beherrschen, sondern auch respektvoll damit umgehen können. Die Resultate sind wirklich gelungen – und zwar durchweg. Viele sind sehr nah am Original geblieben und haben hier und da etwas hinzugefügt. Großes Kino ist z.B. das Rework vom italienischen Vorzeige-Nujazzman Nicola Conte, der Robertos Roena’s Barriojazzversion von Standart „Take Five“ noch mal einen Schub gibt. Auch die Londoner Dego & Marc Mac vom 4Hero-Projekt bringen den edlen Soul eines Ralphi Pagan geschmeidig rüber. Die progressive Bearbeitungen von La Lupe’s im Original fast unschlagbaren „Fever“ des zur Zeit sehr gehypten, englische Wunderkindes SINDEN bringt eine ganz neuen, mutigen Blickwinkel auf das Stück. Das Andy Smith aus „Steady“ (Fania Allstars) eine Funk-Keule macht, war fast schon klar.
Die Herren Simbad, GP, Louie Vega, Aaron Jerome, Will Quantic Holland, B.I.T.A haben einen guten Job gemacht. Und wer ist da im Sommer nicht dankbar. Das Update für Latin Grooves ist gelungen und wird einige Tanzflächen ein kleines Stück der Fania-Epoche zurückbringen. Vamos, danca.
Peter Hagen