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Various: Lagos Shake – A Tony Allen Chop up

Various: Lagos Shake - A Tony Allen Chop up

Es erscheint logisch, dass bei all dem augenblicklichen Output im Indie-Rock, Electro und (Neo)-Funk der vom 70er Jahre Afrobeat sehr stark beeinflusst ist, jetzt auch die Remixer sich an die Werke einer der kreativsten und fruchtbarsten Epochen der Musikgeschichte zu machen.

In der 70ern wurde der Afrobeat geboren und ist bis heute durch Fela Kuti personifiziert. Er war es, der dieses polyrhythmische Feuerwerk weltbekannt machte. Sein Drummer Tony Allen, der als musikalisches Mastermind hinter der Galionsfigur Kuti zu sehen ist, gilt als Schöpfer dieses Genre. Nachdem er 1979 bei Kuti ausgestiegen war, legte er jedoch die Sticks nicht in die Ecke. Angetrieben von seinen Visionen und der unglaublichen Reputation als Afrobeat-Pionier und Afrika70-Mitglied hat er nicht nur das ein oder andere interessante Soloalben aufgenommen, sondern auch mit den unterschiedlichsten Künstlern weltweit kollaboriert. Darunter der britische Rapper TY, Blur’s Damon Alban, Charlotte Gainsbourgh, die französischen Popgötter von Air und den deutschen Downbeat-Jongleure von Boozoo Bajou. Überall wollte man sich ein Stück Musikgeschichte und durchaus auch Kult mit den magischen, teilweise hypnotischen Drumsets von Allen erhaschen. Das gelang bestimmt nicht immer so wie man sich das gewünscht hätte und war oft von bezaubernder Innovation weit entfernt. Jedoch würdigte man Tony Allen für sein Taten, die die Popmusik veränderte.

Vor zwei Jahren war er dann im Auftrag mit dem kleinen Ausnahmelabel Honest Jons Records in Nigeria und spielte das Album „Lagos No Shaking“ ein. Dieses Release wurde zu Recht als Kreuzung alter und neuer Energien des Afrobeat gefeiert. Nun haben sich zehn Produzenten und Bands daran gemacht, diesem Album ein anderen, teilweise völlig neues Gewand anzulegen. Hätte man sofort auf Osunlade oder Moodyman getippt, gibt es hier einige Überraschungen zu hören. So erleben die Berliner Produzentenikonen Moritz von Oswald und Mark Ernestus von Basic Channel ihre Reanimation – die, wer hätte das gedacht, perfekt reduziert ausgefallen ist. Der allseits verehrte Carl Craig darf hier natürlich nicht fehlen – wohl auch aus Gründen des Zugpferd-Charakters. Er macht seine Sache gewohnt gut aber leider nicht überwältigend. Der durch die MIA-Produktionen aufgefallene Produzent Diplo aus Baltimore und der Brasilianer Bonde do Role gehen mit ihren technoiden Reworks massiv Richtung Tanzflächefeuer und überdehnen den Bogen leicht, was laut wirklich euphorisch knackt. Die Perle der Compilation kommt aus Ägypten. Salah Ralab, der Ende der 60er und während der 70er Jahre mit seiner Cairo Jazz Band die Einflüsse von Afrobeat, cosmischer Funkynessund dem spacigen und avantgardistischen Jazz eines Yusef Lateef, Ahmud Abdul-Malik oder Sun Ra kreuzte. Ihre Coverversion von „Ole“ sollte, nein muss einfach Gehör finden. Outta Space!

Peter Hagen

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