Das was Ende der 1990er mit Fatboy Slim seinen kommerziellen Overkill hatte, nannte man Big Beat. Ein neues Genre war geboren und wirbelte ohne Verluste wie ein Hurricane um die Welt. Das Soundethos war überdrehter Mashup ohne Grenzen. Für viele war das oft des Guten zuviel. Hochgeschwindigkeits-Beats in einem wilden Mix von HipHop, Techno, Acid oder Jungle. Die Beatbeat-Boutique rockte von London aus um den tanzwütigen Globus. Der Sturm ging nach der Kommerzialisierung vor allem um die Lichtgestalt Norman Cook vorüber. Neue Dance Music-Welle wie Grime, 2 Step, Broken Beats, UK Garage u.v.m ließen den Big Beat in Vergessenheit geraten. Wie das oft so ist, starb er jedoch nicht. Einige kreative Untergrundfiguren haben gerade in den letzten fünf Jahren die Ästhetik des Big Beat weiterentwickelt und spielen heute die Fusionskarte als Trumpf aus. Dabei ist man sich für keinen Mashup eines Evergreens wie „Pata Pata“ oder „Superstition“ zu schade. Das Ziel von Leuten wie CMC & Silenta, Badboe, Funkanomics, Telephunken (um nur einige zu nennen) ist es, sehr direkt und gänzlich unkompliziert die Tanzfläche zu beschallen. Scheiß auf Deepness, die braucht man am Samstagabend nicht (immer) – aber bestimmt diese 8 Songs auf der Doppel-12inch von Manmade Records. Weil hier geht es um Feiern, Funkyness und Funktionalität. Wenn euch das nächste Mal der DJ ein brachiale Mashup um die Ohre ballert, linst mal um die Ecke. Es könnte durchaus sein, dass die Bootyshake-Maschinen da auf dem Plattenteller von Manmade Records ist.
Peter Hagen