Various: Messin' around Vol.5
Review:
Ist der Ausgangspunkt Jazz, kann man in viele Richtungen blicken. Wenige Discjockeys weltweit machen das heute noch. Der Hype der großen Tage der Freistil und Jazz-Djs scheint vorbei zu sein. (Minimal)-House und Detroit Techno haben die Herrschaft übernommen. Die Tanzmusik jener Freestyle-Bastion von Mitte der 90er Jahre ist elektronischer geworden. Stielikonen und Pioniere wie die Berliner von Jazzanova, der Freiburger Rainer Trüby oder die Into Somethin’ Crew (Thoennessen, Reinboth, Keller) scheinen sich in anderen Metiers inzwischen wohl zu fühlen. Die Zeichen der Zeit stehen nicht mehr auf NuJazz, Future Jazz , Hi-Tech-Boogie oder wie auch immer die modernen Fusionen und Weiterführungen von Jazz, Funk, Afrobeat, Brazil mit House und HipHop genannt wurden. Das Internetradio bietet mit Soulpatrol, Offtrack, International Freeridin’, Milkaudio, Higherground, Worldwide, Broken Beat Radio u.v.a. noch faszinierende Möglichkeiten der eklektischen Kunst zu lauschen – in den Clubs macht sie der universelle, nie etwas ausgrenzende Sound rarer denn je. Schweden’s Mastermind DJ Mad Mats gehört noch zu den wenigen Genreväter weltweit die hier noch kontinuierlich präsent sind. Sein Label und die dazugehörige Clubnight verfolgen unbeirrt weiter ihren Auftrag und bezeichnen sich selbst auch passend als „loud minority“.
Adrian Gibson hat seiner Zeit, 1996, in der Hochphase des Schmelztiegelsounds, im Jazz Cafe London auch solche eine Clubnight gegründet. „Messin’ around“ erfreut sich bis heute, bei all den Trends gerade in London, freudiger Beliebtheit. Gibson scheint auch wirklich von einem Hoch zum nächsten getragen zu werden. Er ist als Labelhead von Freestye Records maßgeblich daran beteiligt, dass solche musikalischen Minderheiten auch eine Plattform bekommen. Auf der von ihm zusammengestellten neusten Compilation „Messin’ around 5“ zeigt er um ein weiteres Mal dass er sich nicht nur mit den Veröffentlichungen auf seinem Label auskennt. Er gilt als Spürnase für neue Trends und Acts. Als Hauptpromoter des besagten Jazz Cafe holt er fast alles was Rang und Namen hat nach London. Hier geben sie die etablierten Künstler ebenso wie viel versprechende, hochkarätige Newcomer die Klinke in die Hand. Roy Ayers, Incognito, Terry Callier sind nur eine winzige Auswahl was hier auf der Bühne steht. Speziell Künstler aus den Segmenten Funk, Soul, Jazz & Latin Grooves werden hier präsentiert und dementsprechend kennt sich Gibson aus. Man darf ihn getrost als Fachmann bezeichnen. Reputation braucht er jedenfalls nicht mehr. Wo er in letzter Zeit dem Funk-Revival mit Veröffentlichungen auf seinem Label die Priorität gegeben hatte, scheint er nun wieder auf sein Steckenpferd zu setzten. Natürlich gibt es bei all den feinen Connections haufenweise exklusives und nie an die Oberfläche gelangtes Material zu hören. Irgendwo zwischen dem Dancefloor-Jazz, modernem Brazil, neuem Funk, traditionellen Latinjazz und feinsten Jazzstimmen findet man die Erkenntnis, dass doch nicht alles so Tod ist, wie es gemacht wird. So lange sich Jazz so abseits der großen Massen immer wieder selbst erneuert, wird man auch weiter großartiges und überraschendes erwarten dürfen.
Peter Hagen (Jazzriots)
Tracks:
- 01. I'll bet you thought I'd never find you
- 02. Congo (Sao Benitez Mix)
- 03. El nino (Big Band Mix)
- 04. The coast is clear
- 05. Whatever you dream (You can begin)
- 06. Who will buy
- 07. Samboogaloo
- 08. Dance freak
- 09. Happy samba
- 10. Wildflower
- 11. Ai no tabi
Releases:
- Various: Messin' Around Vol.5, Audio CD, VÖ: 30. November 2007







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