Diggers, ihr wollt wissen bei welchen Platten selbst Madlib feuchte Hände bekommt und kaum das VÖ-Datum erwarten kann? Dann werft ein Blick auf die Veröffentlichungen des kleinen, aber sehr feinen Berliner Labels Sonorama Records. Was Herr Fleischhammer und Herr Steigleder hier so ausgraben ist Nerd-Shit der feinsten Klasse. Bisher haben sie Alben, die in kleinen Auflagen in den 1960ern und 1970ern erschienen wiederentdeckt, lizenziert und neu gemastert. So wurde Perlen an die Oberfläche geholt, die kaum ein Mensch vorher hörte. Die Genres in die die Fundstücke zu verorten sind, lassen sich nicht immer gleich festlegen. Bisher war es jedoch immer sehr spannend, sich von den entdeckungslustigen Labelmachern auf diese raren und größtenteils gänzlich unbekannten Musikobskuritäten hinweisen zu lassen. Da gab es Latin, Brasil, Jazz, Bossa Nova, Funk und auch Soul. Man kann sicher sein, dass hier noch nichts gesampelt wurde. Deshalb Beatbastler und Breaksforscher aufgepasst. Für „Deep German Jazz Groove“ hat verloren geglaubte Aufnahmen aus der Frühzeit der deutschen Jazzszene aus alten Kellern, Archiven und Flohmärkten gegraben, die zwischen 1956 und 1965 entstanden. Cool Jazz, Bebop, Swing oder Modern Jazz – man findet hier verstaubte und wieder belebte Aufnahmen aus einer Zeit, die scheinbar ein ganz eigenen „State of the art“ hatte und tatsächlich durch Musiker wie Horst Jankowski, Joki Freund oder Inge Brandenburger bestand. Hier sind abgefahrene Sounds zu finden, die nicht jedem Ohr gefallen werden und vielen zu dubios erscheinen mag. Aber was denkt ihr eigentlich wie die derbsten Beats von Dilla, Madlib, Premo oder Pete Rock entstanden sind? Wohl nicht, als sie im Eurodance zwischen Aqua und Culture Beat gewildert haben. Oder fragt den Heilbronner Beatschrauber Dexter, den Japaner Mitsu oder den Briten Nostalgia 77 – die wissen wie viel Inspiration die Quelle des Jazz und vor allem solche Scheiben haben. Vom musikhistorischen Wert mal ganz zu schweigen. Dig it!
Peter Hagen