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Various: Nueva Vision

Various: Nueva Vision

Die Jazzanova Jungs aus Berlin feierten erst vor kurzem ihr 10jähriges Labeljubiläum mit allem was dazu gehört: Live Musik, DJ-Set und Geburtstags-Compilation. Nachdem sie mit ihrer Reihe „Secret Love“, inzwischen in der vierten Runde, national wie international viele neue Hörer und viel neue Aufmerksamkeit gewinnen konnten, sind sie nicht gewollt ihrem Leitmotiv der Eklektik den Rücken zu kehren. Im Gegenteil – die Sampler, die immer einer anderen Thematik folgen bzw. danach zusammengestellt sind, erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass die Labelheimat Sonar Kollektiv immer wieder überrascht und in den verschiedensten Kreisen wahrgenommen wird. Nach einer Reihe von hoch effizienten Remixen für Paul Rudoph oder den Outlines konnten sie mal wieder das Talent, die Routine und ihr große Spektrum aus spielen bzw. ausschöpfen. Sie sind also durchaus 2007 in all dem Minimal-Wahnsinn relevant und vor allem wichtig.

Der Name zielt es uns, der werten Hörerschaft, schon direkt auf die Nasenspitze: Jazz ist immer wieder und auch 2007 der Ausgangspunkt des Kosmoses der Berliner. Sympathisch hatten sie den autoritären, erzieherischen Finger gehoben und die nichtfanatischen Plattenkäufer ermahnt auf das Wissen der Geschmackspolizei zu hören. Lieber überraschten sie uns mit ihrem Ideenreichtum und Nerd-Knowledge über Musik – die sie suchen, sammeln, auflegen, entdecken und zelebrieren. Auf „Secret Love“ waren das die Grauzonen zwischen Soul, Folk, Electronik und Rock. Und das hatte vorher niemand direkt mit Jazzanova in Verbindung gebracht. Die Verwurzelung zu Latin & Fusionjazz liegt da schon eher auf der Hand – wenn man die NuJazz-Exkursionen der frühen Bandgeschichte kennt. Auf „Welcome to the party“ oder „Atabasque“ durfte man das eindrucksvoll Mitte der 90er Jahre erfahren. Ihr starkes Branding haben sie aus dieser Zeit.

Nun kehren sie nach der Brazil-Compilation „Paz e futebol“ von 2006 ein weiteres Mal zurück zu den Quellen ihrer Inspiration. Hier stoßen sie für ihre Jazzclub-Serie „Focus Jazz“ nach den Entdeckungen in Polen, Romänien, den Backstocks von Werka, und jetzt in die legendäre, aber gänzlich unbekannte Archiven des kubanischen Staatslabels EGREMA/AGREITO. Eric Ott, ein befreundeter Plattensammler, hat mit Jazzanova hier Raritäten und vorher nie Gehörtes ausgegraben und zusammengestellt. Afro-kubanische Klänge im Jazz, Soul und Latin-Anzug finden bei Chucho Valdesi, Team 4 oder Emiliano Salvador ihre Meister. Avantgardistisch, frei und teilweise sogar funky klingen die 18 Tracks – jedoch vor allem spannend, sehr eigenständig, vital und unorthodox dynamisch. Was hier in den 60ern und 70er entstanden ist, floriert und schwebt in seiner eigenen Nische so herrlich, dass man nach den ersten fünf Tracks schon verstehen kann, warum Herr Ott und die guten Jazzanovas sich hierfür eingesetzt haben. Mal wieder meine Verneigung Herr Barck und Kollegen.

Peter Hagen (Jazzriots)

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