Review

Various – NuYorcia!

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Review:

Der Big Apple wurde durch seine Einwanderer definiert und wird es noch heute – auch wenn das ein wirrer Perückenpräsident nicht ganz so sieht. Seit 1783 immigrierten Menschen aus der ganzen Welt in die schnell wachsende, schon immer sehr umtriebige Stadt an der Ostküste. Die Europäer prägten früh das Bild der Stadt. Deutsche Liberale, hungernde Iren oder abenteuerlustige Italiener sowie Osteuropäer aus der Ukraine, Armenier, Russen oder Rumänien strömten früh nach New York mit der Sehnsucht nach einem besseren Leben. Viele Menschen mit jüdischem Glauben suchten ihr Glück in New York, und wollten dem Antisemitismus entfliehen. Es gab früh gebrannt markte Außenseiterminderheiten wie die Chinesen, deren Masseneinreise man staatlich sehr früh limitierte. Ein großer Teil der ersten Generation der Einwanderer konnte sich schnell wirtschaftlich verbessern und verließ die Elendsviertel. Ab 1898 war nun hier Platz für neue Bevölkerungsgruppen, die die Slums bewohnten und die Hoffnung auf ein besseres Leben und den amerikanischen Traum mitbrachten. Diese Gruppen stellten auch sehr schnell die zwei größten Gruppen in New York: Die Afro-Amerikaner und die Hispanics. Die meisten Schwarzen hatten ihre Wurzeln in der Verschleppung aus Afrika und der folgenden Grausamkeit der Sklaverei. Die Hispanics (Latinos) kamen aus Puerto Rico, der dominikanischen Republik, Ecuador, Kolumbien, Kuba, Mexiko und Salvador. Die zahlreichste Gruppe kam aus Puerto Rico. Allein in den 1950ern kamen 600.000 Menschen aus dem mittelamerikanischen, wirtschaftlich armen Land. Seit 1917 durften die Puerto Ricaner problemlos in die USA durch den sogenannten“ Jones Act“ einreisen und immigrieren, weil sie den Vereinigten Staaten im Krieg gegen die alten Kolonialmacht Spanien beistanden. East Harlem wurde zum Spanish Harlem. Hier entstand auch eine ganz neue Art des New Yorkers, wie man ihn vorher nicht kannte. Junge Hispancis und Afroamerikaner definierte sich nicht mehr nur noch über ihrer Herkunft – sondern waren Migranten und Amerikaner. Im Radio lief die Musik von Duke Ellington und Louis Armstrong. In Tanzsälen wurde bisher nur Mambo gespielt. Jazz in seinen verschiedenen Facetten faszinierte die Jugend. Später intensivierte sich die Bewunderung durch die Einflüsse von Funk, Soul, Rhythm’n‘Blues und Rock. Es entstand die Musik der gegenseitigen Befruchtung und Hochachtung. Traditionelle latineske und afrikanische Sounds verschmolzen im Melting Pot von „NuYorcia“. Ab den 1940ern experimentierten große Künstler wie Dizzy Gillespie mit Afro-Cuban-Sounds. Danach wurde Latinjazz als Genre groß und die Initiatoren hießen Tito Rodriquez, Tito Puente und Machito. In den 1960er und 1970er wurde die Musik aus dem „El Barrio“ immer populärer und es wurden Meister wie von Joe Bataan, Ray Baretto oder Bobby Valentin erschaffen. Der Begriff Salsa tauchte erstmals auf und Labels wie Fania Records, das später liebevoll Latin Motown genannt wurde, weil es der Pendant zur afroamerikanischen Hitschmiede wurde. Celia Cruz, Willie Colón, Hector Lavoe, Johnny Pacheco, Rubén Blades, Eddie Palmieri, Larry Harlow wurden zu Weltstars – wie Marvin Gaye, Diana Ross oder Stevie Wonder. Soul Jazz Records aus London hat sich hingebungsvoll dieser Ära gewidmet und hat ein 4xVinyl-Paket (2x2LPs) unter dem Namen „Nu Yorcia! The culture clash in New York 1970-1977“ veröffentlicht. Hier beleuchten sie brilliant und detailverliebt die Entstehung der legendären und zeitlos-spannenden Epoche. Wenn man die Augen zu macht, während man die Platte hört, kann es sein, dass man sich in die in diese Zeit versetzt fühlt. Es ist ein drückender Sommer in NYC und die Rhythmen sorgen für Ablenkung. Der perfekte Soundtrack für den Sommer 2017. Soul Jazz Records hat die Platte aufgrund der hohen Nachfrage nachpressen lassen. Und das ist sowas von richtig gewesen, weil diese Compilation dadurch besticht etwas tiefer zu gehen und nicht nur die Hits zu sammeln.

Text: Peter Parker


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