Was verbindet man mit dem „Pacha“ auf Ibiza? Natürlich House und Techno. Pompös aufgemotzte Deko, teilweise unerschwinglich Eintrittpreise, dekadente Getränkepreise und international bekannte Plattendreher. Kaum jemand weiss jedoch davon, dass in den 1960er Jahren das Pacha als kleiner Strandclub im Badeort Sitges an der Costa Brava gegründet wurde! Ricardo und Piti Urgell gingen mit ihrem Partyladenkonzept 1973 einen Schritt weiter und verlagerten die gut besuchten Abenden mit Musik aus Hippi-Amerika in das bis dato verschlafene Balearen-Inselchen Ibiza. Der Rest wurde vor allem Anfang der 1980er zur Legende. Doch bevor Disco die Plattenteller und Clubkultur beherrschten waren es tatsächlich die Lieder der Blumenkinder die die Tanzflächen mit Liebe und Tanzbeinen füllten. DJ Piti startet regelmäßig Revivals der Parties von damals mit dem dazugehörigen Sound. Dazu gibt es jetzt ein Compilation mit den 40 größten Evergreens dieser Zeit. Simon & Garfunkel, Beach Boys, Scott McKenzie oder Manfred Mann – sie alles sind hier versammelt und das Blumenfest bebt. Die Frage bleibt dabei, wer diese Lieder wirklich noch nicht im Regal stehen hat. So kompakt und umfangreich sie auch ist und so schön bunt auch die Verpackung bzw. die Coverart ist – die Songs hat man täglich im Radio oder auf der Ü30-Party seines Vertrauens. Wer braucht den Sampler überhaupt, wenn er nicht mal die progressiven Tunes der Zeit neben den Überhits platziert? Wo sind Jefferson Airplane, wo sind The Doors, Janis Joblin oder The Who? Bob Dylan? Bei dieser doch schönen Übersicht, was den Sound des Summers of Love ausmachte, hätte man sich durchaus etwas mehr zutrauen dürfen, weil man sich sicher sein darf, dass DJ Piti, inzwischen auch schon über 60, die heissen Scheiben von damals bestens kennt. Zeitlos sind viele der hier versammelten Hits allemal, auch wenn sie von den Oldie-Sendern schon zu Tode genudelt wurden. Immerhin haben sie den Soul nicht wie viele affine Sampler zu diesem Thema ignoriert und auch Sly Stone, James Brown, Arthur Cloney und Edwin Starr gehuldigt.
Peter Hagen