Kein Mensch braucht die Deejays, die einen Hit nach dem anderen reihen und dazu uninspirierte Gassenhauer platzieren. Davon gibt es nun wirklich genug. Erstrecht seit man sich im Selbstbedingungsladen Internet die Festplatten mit Evergreens und Classics voll pumpen und sie dann über digitale DJ-Systeme wie Serato und Traktor auflegen kann. Die Qualität der Djs hat sicherlich nicht damit zu tun, ob jemand mit dem klassischen Kulturgut Vinyl auflegt oder digital – das sei hier noch mal gesagt. Das Problem liegt wohl eher dran, dass die Ideologie bei einigen Plattendrehern fehlt. Wo sieht die DJs, die den Gast noch mit auf eine Reise ins Land des unbekannten Grooves mitnehmen? Es gibt jetzt hier an dieser Stelle keine Schwarzmalerei. Es gibt aber natürlich einen Hinweis darauf, dass es immer noch eine kleine Gemeinde weltweit und auch in Deutschland gibt, die ihre DJ-Sets noch mit Material füttern, bei dem man viel entdecken und trotzdem drauf tanzen kann. Neugierig? Natürlich kann man jetzt die großen Szenehelden wie Kon & Amir, Cut Chemist, DJ Shadow, Muro oder Spinna bemühen. Braucht man aber nicht, weil man dafür einfach nur nach München blicken muss. Dort gibt es seit zwei Jahren die „Shake-a-leg“ – Clubnight im Künstlerviertel Glockenbach. Soundenthusiasten finden hier regelmäßig den heiligen Gral wenn es um musikalische Unterhaltung im Sektor Soul, Jazz, Funk geht. Der Abend wird gestaltet von Jerger Kluge, seines Zeichens Labelbetreiber, Jazzmusiker, DJ und Produzent – sowie von Tobias Kirmayer, Betreiber des famosen Rare Groove-Imprints Tramp Records und exquisiter Plattendreher. Bei ihrer monatlichen Clubreihe setzten sie darauf, dass ihre musikalischen Wurzel, die in den schwarzen Grooves der 1960er verortet sind, ausgespielt werden und man nicht den Blick in die Gegenwart und über den Tellerrand verliert. House und Techno-Modernitäten sucht man hier vergebens und es macht durchaus Sinn, dass sie sich hier eher den Horizonten Afrobeat, NuFunk und HipHop öffnen. Das dokumentiert jetzt eine sehr schöne Compilation. Hier geht es um die Essenz von Grooves die in die Vergangenheit blicken und die Gegenwart bestimmen – sprich, richtig neu und gut sind. Da gibt es harte Handkantenschläge der modernen Afrobeatmonsters Ikebe Shakedown oder Albino. Latin von Cesar’s Salad oder HipHop-Funk-Fusionen von Breakestra. Ein wirklich aufregender Groove durchzieht die 13 Songs. Dig this!
Peter Hagen