Various: Superfly
Review:
Man möchte so laut „ja“ schreien und nach Wien einen kleinen Euphorieausbruch senden. Ein kleiner Radiosender namens Superfly FM hat sich nämlich zur Aufgabe gemacht dem Mainstreamradio die Stirn zu bieten – und zwar mit allen Formen beseelter Musik. In einer allgemein sehr steifen und unflexiblen Radiolandschaft zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Schritt von Superfly FM sehr mutig, wenn man beachtet, dass man im deutschsprachigen Raum bevorzugt „das Beste aus den 80ern, 90ern und das Bekannteste von heute (oder so ähnlich) hört. Alternativen haben bisher bis auf wenige Ausnahmen (wie der Zündfunk) nur über das Internet stattgefunden und haben mit monofunk.net, soulsender.de oder byte.fm den etablierten Kräften mit einem breiteren, selektierten und tief gehenden Programm die Stirn geboten. Superfly steht den Kollegen aus dem Cyperspace nicht nach und fokussiert geschmackvoll die Bande zwischen DJs und der Sendestation. Und wer könnte nicht für besseren Sound sorgen als der Plattendreher, der sich ständig mit den verschiedensten Sounds beschäftigt und kontinuierlich nach frischen Tunes diggt und dieser auch in Clubs, Bars und Party auflegt. Die Vielfalt im Konsens Soul des Programms des Wiener Senders beweist, dass man sich nicht mit den alten Lorbeeren der Downbeat-Euphorie zwischen Kruder und Dorfmeister zufrieden gibt und viel zu bieten hat. Elektronische Musik und HipHop steht wie selbstverständlich neben den modernen und alten Spielarten des klassischen Soul und Funk. Da ist alles so geschmackssicher und stilvoll, dass man sich das eigentlich überall, auch in Deutschland wünscht. Zum ersten Geburtstag schenkt der Sender den Fans und Interessierten eine Compilation. Diese spiegelt das Bild, das der Sender bisher abgegeben hat, vorzüglich. So vereint man hier den Original Prince neben den Künstlern die offensichtlich von ihm inspiriert sind (Wahoo). Man streift alte Helden des NuJazz-Zirkus (Jazzanova, Madrid de los Austrias), stellte zeitgenössische Soulhelden (Tuomo) und Newcomer (The Dynamics, Stee Downs) vor und gibt den progressive Funksteppern (Fort Knox Five, Rodney Hunter) einen Platz zum Grooven. Der rote Faden der 15 hier zu hörende Stücke bestehen darin, dass sie alle Soul intus haben – wenn auch jeder auf seine ganz spezielle Art und Weise. So bekommt man eine wundervollen Salsoul-Hymne „Circles“ vom Turntablemeister Cut Ex serviert, während man mit „Just say it“ von Blood einen fast vergessenen Schatz aus dem Jahr 1999 an das Tageslicht zurückholt. Mit Rodney Franklin’s hat man sich mit „Windy City“ noch ein ganz schmooves Stück-Discofunk klassischer Soul-Prägung aus dem Jahr 1978 als Herzstück eingepflanzt. Man darf den Compilern Jürgen Drimal & L Segundo (Brothers By Choice) nur gratulieren – das ist die stärkste Compilation des Jahres!
Peter Hagen







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