Various: The World Ends: Afro Rock & Psychedelia
Review:
Seit Soundway Records sich dem Auftrag verschrieben hat, die westliche Hemisphere mit verlorenen oder bisher nicht entdeckten Schätzen zu bereichern, ist das britische Label nicht mehr wegzudenken. Man verdankt diesem kleinen, sehr anspruchsvollen Imprint inzwischen eine ganze Reihe an hochwertigen Veröffentlichungen die wahre Perlen zu Tage brachten und für ordentlich Wirbel bei jenen Leuten sorgten die sich für das interessieren, was man vermeidlich als „Weltmusik“ bezeichnet. So richtig glücklich haben die Soundforscher von Soundway jedoch vor allem die Freunde von Rare Groove gemacht. Sie entdecken seit Jahren in den entferntesten Orten der Erde schwarzen Gold in Vinylform. Sie sind sich dabei für keine Reise und keine Mühe zu schade. Die Resultate sind imponierend und außergewöhnlich. Dabei gehst es nur bedingt um die Rarität an sich. Musikalisch dokumentiere die Compilations von Soundway in Europa und dem Rest der Welt oft nie wahrgenommene Strömungen. Afrobeat eines Fela Kuti hat von Nigeria aus in den 1970ern vieles revolutioniert – aber wie so oft ist Kuti nicht der einzige gewesen, der saftige Highlife-Grooves veröffentlicht hat. So haben z.B. die Sampler über Disco und Rocksounds aus Nigeria für sehr viel Aufmerksamkeit für das kleine Label gesorgt. Das so genannte goldene Zeitalter der knackigen Grooves in Mittelamerika, speziell in Panama hat genauso für Aufsehen gesorgt wie die sehr detailverliebte und superb recherchierten Einblicke in die vergessene Musik aus Kolumbien, Ghana oder Benin.
Für den Herbst 2010 lassen die Experten aus dem Soundway-Team eine Bombe hoch. Nicht dass sie etwas noch Außergewöhnlicheres als sonst präsentieren, sondern sie schlagen wie immer sehr gekonnt und versiert eine Brücke von Afrika nach Europa bzw. Amerika.
Auch in Nigeria der 70er Jahre gab es einige, wenig bekannte Produktionen die sich weniger dem groovigen und funkigen Highlife-Sound widmeten, sondern die Einflüsse der Bands aus England und den USA in ihre Musik einflochten. Dabei stellte nach wie vor der rhythmus-geladene, typische Klangteppich die Basis. Jedoch wird die E-Gitarre viel mehr integriert bzw. ausgelotet – ganz wie die Vorbilder aus dem Radio und von UK-Importen das taten. So integrierten sie die musikalischen Visionen und Eskapaden eines Jimi Hendrix’, der Doors oder Jefferson Airplaine. Die Nachricht von großen Ereignissen wie Woodstock und ihren Protagonisten dienten auch hier nach den Bürgerkriegsjahren dazu neue Helden zu haben und deren Musik mit den eigenen Definitionen zu vermischen. James Brown und die Funk & Soul Music galt lange als Brücke und wurde auch sehr oft aufgegriffen als Referenz. Die hier versammelten Stücke zeugen jedoch von anderen, psychedelischen Inspirationen. Was über Emi, Philipps und Decca in den 1960ern an Vinyl-Importen nach Nigeria kam, wurde jetzt, nach dem Krieg, auch in fruchtbar als Einfluss in die Musik aufgenommen. So ist „Afro-Rock & Psychedelia“ eine berauschende Abenteuerfahrt in die Vergangenheit Nigerias, der auf Doppel-CD und Vinyl vorzüglich erinnert wird. Was für ein Trip.
Peter Hagen







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