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Various: Verve Remixed 4

Various: Verve Remixed 4

Eine ganze Weile war es ja mehr als hip, die Archive der altehrwürdigen Jazzlabels frei zu Remixzwecken zur Verfügung zu stellen. Der Kaffeehausmusik-Boom hatte da wohl einen ungemein hohen Einfluss darauf. Blue Note, MPS, Verve. Kaum ein Imprint mit Kultstatus hatte sich den neuen Konzeptionen verweigert alte Grooves in neue Gewänder zu legen – und wohl auch die nächsten Generationen damit zu erreichen. Das legendäre Soul-Imprint Motown Records aus Detroit hatte sich auch diesem Trend angeschlossen – und hatte gleichzeitig eine Diskussion darüber angeheizt, ob es die alten Klassiker denn überhaupt nötig hätte neu interpretiert zu werden. Blasphemie wurde sogar einige Remixern entgegengeschmettert, als sie, zugegebenermaßen, einige zeitlose Klassiker des Souls verhunzten. Der schmale Grad besteht also, ehrfürchtig vor dem Alten zu sein und gleichzeitig spannende und innovative Clubrelevante u.- kompatible Beats herum zu legen. Ein nicht immer leichtes Unterfangen – wie man auf den gefeierten drei Verve-Remix-Folgen hören konnte.

Die vierte Compilation liegt nun vor. Das weltweit gestiegenen Interesse an Musik die den Geist und die Authentizität der Soul & Funk Musik der 60er Jahre beinhaltet wurde nun auch hier aufgenommen. Das Verve-Label hat auch hier imponierendes zu bieten – auch wenn man den Roster sofort klassisch unter Jazz einordnen würde. Bossa Nova und Latin Grooves hatte hier genauso wie der Groove der Schwarzen ihren Anteil. Der vorliegende Remix-Sampler spiegelt das sehr gut. James Brown, Marlena Shaw, Astrud Gilberto, Roy Ayers und Willie Bobo präsentieren diese Einflüsse auf das legendäre Label. Nun hat man zum vierten Mal ein Riege an etablierten und aufstrebenden Produzenten gebeten die alten Hits in ein neues Gewand zu hüllen – unter der Prämisse, den ursprünglich Geist und Intension des Songs nicht ganz zu verlieren. Gelungen ist das, wie auf den Vorgängern, wieder mit gemischter Qualität. Der von vielen im Vorfeld angepriesene Remix von HipHop-Beatschrauber 9th Wonder für Roy Ayers-Überklassiker „Everybody loves the sunshine“ ist der Massen lieblos und einfallslos, dass es fast ein Schande ist. Das spiegelt überhaupt nicht seine Fähigkeiten, mit denen er in den letzten Jahren den beseelten Boom Bap zurückgegeben hat. Anders und völlig unspektakulär haben es die Brooklyner Remixer vom Truth & Soul- Duo mit Dinah Washington’s „Cry me a river“ gemacht. Hier zeigen sie, dass sie nicht nur Amy Winehouse in einen warmen Klangkosmos schieben können. Bevor Kenny Dope mit seiner Bearbeitung James Browns „There was a time“ die Kuh fliegen lässt, kümmert sich Mark Mangini und der Pariser Tanzflächeroperator Pilooski darum, dass die ewige Nina Simone heute durchaus ihre Relevanz auf für eine Tanzfläche haben kann. Der Global-Player Diplo, bekannt durch sein musikalisches Schaffen für M.i.A. und Justice merkt man an, dass der Auftrag „California Soul“ von Marlena Shaw fast unmöglich erscheint. Das Londoner Duo Psapp entwerfen die Bossa-Formel 3000 für Astrud Gilberto etwas progressiver. Der Wahlberliner Mocky lässt sich auf keine Spielereien ein. Der lässt Antia O’Day den grundentspannten Vibe und fällt eigentlich kaum auf. Kollege Chris Shaw und Karriem Riggins wagen da schon etwas mehr und bauen auch wirklich spannende neue Strukturen um die Originale. Der Überflieger ist ganz eindeutig die Bearbeitung von „Dilo Como Yo“. Das Stück des kubanischen Latinjazz und Rumba-Perkussionisten bekommt durch die Antibalas aus New York eine Dynamik die wie geschaffen für den Tanzboden ist. Afrobeats wirbeln hier mal wieder auf einem feurigen Level.

Am Ende zählt für ein Plattenkauf: Wie viele gute Songs bekomme ich für mein Geld. Hier bekommt man eindeutig 10 von 12 die einen Kauf rechtfertigen und große Freude bereiten werden. Ob auf der Party, im Cafe oder im Auto.

Peter Hagen

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