In Uganda sollen per Gesetzesentwurf Homosexuelle zu Tode verurteilt werden können. In deutschen Jesuitenschulen wurden Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht. In der Mongolei ketten Eltern ihre Kinder wie Tier ans Haus, damit Organhändler sie nicht entführen können während die Eltern bei der Arbeit im Bergwerk sind. In Haiti geht ein ganzes Volk unter und der nächste Tsunami kündigt sich im Pazifik an, während Obama seine Gesundheitsreform nicht durch bekommt. Die Welt ist krank und der Doktor scheint Urlaub zu haben. Gut dass man da den Luxus genießen kann sich mit Musik etwas auszublenden und sich sich nicht 24 Stunden am Tag das Leid der Welt anhören muss. Einen charmante Vorschlag hier für bietet das Label Vienna Scientists mit der fünften Ausgabe ihre gleichnamigen Compilation. Einst im Fahrwasser des Downbeat-Wahnsinns von K&D entstanden, hat man sich autark zwischen NuJazz, House, NuFunk und Dub weiterentwickelt. Diese musikalische Offenheit hat sich nun über zehn Jahre durchgesetzt und man hat sich ein Qualitätsigel verdient. Wo Vienna Scientists drauf steht, gibt es hochwertige Klangkollagen die souverän den berüchtigten Switch zwischen entspannt und tanzbar bewältigen.
So gibt es traditionellen, sehr smoothen Downbeat von Freedom Satellite. Mosquito Factory, Boogiewood oder Stefan Obermaier – deren relaxten Soundentwürfe jede Bar und jedes Kaffeehaus zu einer entsprechenden Atmosphäre verhelfen können. Disco und Funk auf einem modernem Level vereinen sich beim Rodney Hunters Remake von Fort Knox Five’s „Uptown Tricks“. Ed Royal zeigt auf „HipHop to Funk“ wie die alte Schule die Tanzfläche in Bewegung bringt. Top Notch, Ed! Mehr Druck und Durchschlagskraft für den Clubeinsatz hätte man sich von Makossa & Megablast erwarten, deren „Mama“ etwas verwässert die Brücke von elektronischen Beats und Dancehall schlagen wollte – das Thievery Corporation auf dem letzen Album wesentlich besser hinbekamen.
Insgesamt finden sich hier zwölf allesamt geschmackssichere, teilweise sehr stylische Tunes aus dem Raum „in between“ bei denen man bestens und durchweg unterhalten wird.
Peter Hagen