Es ist doch immer wieder erstaunlich. Hospital Records bekommen es immer wieder hin ein Melodie, natürlich geladen mit dem Pop-Effekt, in ein treibendes Drum’N'Bass-Gerüst zu bauen. Die Hardliner haben vor Jahren schon den Untergang von Hospital Records beschworen – sie sind immer noch da. Zu Recht. Sie sind eine der wenigen, großen treibenden Kräfte dieser Kultur. Einer Untergrund-Kultur, die es irgendwie geschafft hat zu überleben und sich immer wieder zu entwickeln. Die Zeiten als Roni Size & DJ Marky jedes Musikmagazine weltweit geziert hat, ist lange her. Die Stars und Steckenpferde fehlen für die Massentauglichkeit. Mit Dubstep gibt es zwar einen kleinen, neuen Ableger des großen Bruders – der zuweilen sogar die Medienpräsens von damals, zu mindest teilweise, erreicht. Davon wollen die Hospital Produktionen aber nur bedingt was wissen. Die dunklen, zeitweise elektronischere, dunklere Soundästhetik geht zu oft in die klassischen Drumsets über, als dass sie die Nähe zu Grime bzw. HipHop-affinen Strukturen zu suchen. Hospital kann alles sein – innerhalb ihrer Sphären. Das haben sie oft genug bewiesen und zelebrieren sie immer noch. 80s-Anleihen, viel Soul, jazzy verspielt aber auch mal gerne direkt auf die 12 – ohne die ,,Schranz”-Kollegen zu beglücken zu müssen. Da gibt es schon die unausgesprochene Wahrheit, dass Hospital die ,,Eklektiker” in ihrer Gemeinde sind – und das ist auch gut so.
Auf ,,Weapon of Mass Creation 3″ wurden einige der besten, aktuellen Hospital-Veröffentlichungen ausgewählt. Hard-Fi’s ,,Hard to beat” im London Elektricity Remix, Cyantific’s ,,Space Station Kru” und das rockende “Crabs in a bucket” von A-Side zeigen die Vielfalt innerhalb dieses Genres, die es immer noch gibt – aber leider nicht mehr wirklich wahrgenommen wird. Auf CD2 gibt es dann noch einen Mix von Danny Breaks, der wie erwartet mehr nach schweißtreibender Party ruft, als nach einem gemütlichen Coffee-Break.
Peter Hagen (Jazzritos)
5/5 aus upperaustria für die überlebenden! feine comp + hot mix.