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Various: West Coast Theory

Review:

Musikfilme und Dokumentationen haben oft ein Problem. Sie sind entweder von Fans bzw. Nerds gemacht oder von absoluten Laien. Im ersten Fall läuft man in die Gefahr hinein, dass es zu kompliziert für Leute wird, die nicht in das Fachchinesisch involviert sind. Im zweiten Fall merkt man es sofort, dass sich hier jemand mit einem Thema vorher beschäftigt hat oder nicht. Beim Thema HipHop ist es oft so, dass irgendwelche Schreiberlinge für Zeitungen und Magazine über etwas schreiben in was sie nicht involviert sind und auch offenkundig nicht involviert sein wollen. Das Ergebnis ist in beiden Fällen oft grausam.

Wie geht man nun an einen Musikfilm ran? Die zwei Franzosen Maxime Giffard und Felix Tissier haben den richtigen Weg gefunden. Ihre Recherche für den Film „West Coast Theory“ haben sie offenbar aus dem Blickwinkel und Wissen eines Fans gemacht und an die richtigen Türen geklopft. Die befragten Protagonisten führen behutsam an das Thema heran. Nach und nach werden dann tiefer greifende Felder geöffnet und beackert. Die Brüder schaffen den schwierigen Switch gekonnt, Laien über die Materie zu informieren und Insider zu faszinieren. Man umschifft hier gekonnt die Genretypischen Hormongeschwängerte Selbstbeweihräucherung und lässt die Figuren hinter und vor dem typischen West Coast Sound zu Wort kommen.

Wann gab es denn mal eine Dokumentation oder Affines die sich nicht nur um Knarren, dicke wackelnde Frauenärsche und Gangbang handelten? Vielleicht haben gerade die zwei Franzmänner den wichtigen Aspekt der Nüchternheit mitgebracht um die Begebenheiten auf eine andere, sehr sympathische Weise zu zeigen. Man glaubt zeitweise sogar wirklich daran, dass viele von ihnen nicht Millionen von Dollars Ende der 90er Jahre verdient haben und es „just for the culture“ tun wenn ein Snoop oder Xzibit von ihrer Sicht der Dinge erzählen. Da geht einem wirklich kurz das Herz auf, wenn Snoop den Pionieren wie Ice-T, World Class Wreckin’ Crew oder Egyptain Lover vollen Respekt zollt.

Das ist dann aber auch nur die Oberfläche. Die Magie der Westküste und ihrem unvergleichbaren Sound erklären die Leute im Hintergrund. Sicherlich ist es elementar wenn Too Short über Zapp und George Clinton als Wiege des Funks und Ausgangsposition der ganzen Soundästhetik spricht. Es wird komplett ausgeblendet dass sich in Kalifornien so ziemlich viel um die Gangkultur und Drogen dreht. Das ist nicht realitätsfremd sondern konsequent, wenn man den Fokus auf den Sound legen will der aus den gepimpten Schlitten und ihren geliebten Bassboxen poltert.

So erzählen Produzenten wie Jelly Roll, Fredwreck, Battlecat oder Focus was im Studio wirklich passiert, damit der typische Trademarksound entstehen kann. Einblicke gibt es sogar in die Encore-Studios wo Millionenwerke von Dr Dre und Eminem zu dem abgemischt wurde, was sie später zum soundtechnischen Klassiker werden ließ. Dort erzählen die Soundmagier mit welchem Equipment sie arbeiten und was so besonderes an solchen Werken ist.

Weiter Einblicke gewähren DJ Babu, Evidence, DJ Muggs oder Revolution wie sie in heimischen Kellern und Zimmern zwischen Plattenbergen und Equipmentansammlungen an ihrer Definition von HipHop basteln. Die Talkbox wird ebenso erklärt wie die MPC. Die Vorteile von ProTools finden auch ihre Benennung. Der Erfinder der Drummachine bzw. Drumcomputer Roger Linn kommt auch hier zu Wort und schließt den Kreis von den Anfängen in das Heute. Schade dass DJ Quik nicht dabei war – aber man kann nicht alles haben. Diese DVD ist mehr als gelungen und verschafft viele interessante Blicke hinter die Kulisse des Rapzirkus der die 90er beherrscht.

Peter Hagen

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Interpret:
Various
Label:
Mouna / Alive
Stil:
Hip Hop Funk G-Funk

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