Ähnlich wie Kollege Ill Bill von Non Phixion, steht Vinnie Paz, etwas im Schatten seiner Gruppe Jedi Mind Tricks. Jede schwergewichtige Formierung von Zungentwistern und Beatschmieden, die inzwischen fast so elementar für den Ostküsten-Rap gelten sollte, wie der einst übermächtige Wu-Tang-Clan. Natürlich ist auch nach zwei Dekaden des Repräsentens von rohem und ungeschliffenem Hardcore-Rap der Premium-Boom-Bap-Marke immer noch nicht der verdiente Status erreicht worden. Das sympathische und fast schon bodenständig anmutende, ist die Konstanz und Kontinuität der Releases der Jedi Mind Tricks und des Nebenprojektes Army of Pharaohs. Dabei haben sie mit den Alben „Violent by design“ und „Visions of Gandhi“ zwei Untergrundklassiker geschaffen, deren eigentliches Potential bis heute sehr zögerlich honoriert wird, wenn es um wichtige Hardcore- Werke der geht. Die Bedeutung dieser Gruppe wird seit Jahren scheinbar von vielen HipHop-Meinungsmachern sorgfältig ignoriert – um so erstaunlicher und erfreulicher ist es, dass sie, analog zum Wu-Tang, ein stetig wachsende und treue Fanbase besitzen.
Nun kommt Vincenzo Luvineri mit seinem Solodebüt an den Start, dass er mit dem vorzüglichen Mixtape „Before Assassin“ bereits ankündigte. Scheinbar traute man ihm nicht all zu viel zu, ohne seine Mannen des Jedi-Ordens – den auch diese Mixtape fand wenig Beachtung. Das Mastermind der JMT besticht auf seinem Album in der Form und mit den Talenten, die man an ihm als Fan schätzt. Verschwörungstheorien, Gewaltphantasien aus der Unterwelt, Mafiaromantik, Horrorzukunftsvisionen und persönliche, teilweise fast schon intime Erlebnisberichte von den Straßen von Philadelphia und aus dem eigenen Leben mischen sich in seinen Raps auf einem Niveau, das wenige so halten können wie der Italo-Amerikaner. Der Unterschied zu seinen vorherigen Arbeiten mit Stoupe liegt wohl auch Solo in der Freiheit auch mit seinen persönliche Lieblingsbeatschraubern zu arbeiten. So holte sich Vinnie Paz Leute wie Muggs, MoSS, The Beatminerz, Lord Finesse, Madlib oder Bronze Nazareth ins Boot und entwickelte daraus ein richtig gut bestücktes Schlachtschiff. Was man bei all der Qualität hier hervorheben sollte ist, dass die besten Tunes vom Mainzer Beatschmied Shuko gebaut wurden. „Beautiful love“ und „Street Warz“ (mit Clipse!!) gehörte wohl zu den Boom Bap-Highlights des Jahres, nicht nur für die alte Heads, die gerne des Öfteren erwähnen, dass früher alles besser war. Von diesem Album wird die Gemeinde noch lange sprechen. Das ist keine Drohung, sondern ein Versprechen.
Peter Hagen
Gute Review Peter, scheint wieder ein Hammer-Album von einem der besten zu sein… Hoffentlich kommt mal wieder was neues von Jedi Mind… Jus Allah und Vinnie rocken!
hol ich mir – danke für die Review!
absolut top album. vinnie paz macht hier alles richtig. die raps/texte sind konstant wie üblich, meiner meinung nach sogar einen tick stärker als auf den letzten JMT und AOTP alben. was das album aber von JMT und AOTP abhebt sind die recht unterschiedlichen beats. diesmal haben u.a. muggs und shuko produziert, stoupe war (wohl bewusst) gar nicht beteiligt. für den roten faden sorgt dann wieder vinnies einzigartiger stil! außerdem fällt auf das einige songs mainstreamtauglicher sind und z.B. auch mal catchy gesungene refrains haben die im ohr hängen bleiben. paz kann hier einfach ein stück weiter gehen als es mit stoupe und seinen zugegeben genialen aber eben doch teilweise sehr eigenen und etwas sperrigen beats möglich ist. alles richtig gemacht der mann. höhepunkte sind für mich die persönlichen tracks wie z.B. das ziemlich bewegende “same story”, dass den tod seines stiefvaters abhandelt. hätte im vorhinein nicht so ein brett erwartet zumal die letzte JMT eher standardkost war.