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Wagon Cookin: 2 Faces

Wagon Cookin: 2 Faces

Die beiden Brüder Javier und Luis Garayalde haben ihren Namen als Musikverrückte weg. Seit sie in einem Wagon der Trans-Europe-Express in der Sierra De Gredos bei Madird zusammen wohnen und ihrer Leidenschaft, dem produzieren und musizieren, nachgehen – sowie so. Hier entstanden die Ideen zu ihren Werken. Bei spielen mehrere Instrumente und haben schon in den frühen Neunzigern das Experimentieren mit Jazz und elektronischen Grooves fokusiert. Seit dem Jahre 2000 konnte man die bunten musikalischen Errungenschaften dieser Herren dann auch käuflich erwerben. Auf Odori und Appetizers Records haben sie ihre Affinität zu modernen Clubbeats – nicht ohne Erfolg – bisher veröffentlicht. Die Vielfalt ihrer Produktionen und Remixauftragsarbeiten hat WC zu einem etablierten Akt gemacht, dessen Entwicklung die eklektische Gemeinde seit Jahren mit Spannung verfolgt. Auf ihrem neuen Album ,,2 Faces” zeigen sie wirklich zwei Seiten von sich. Vielleicht sind sie deswegen beim Münchener Label Compost Records untergekommen. Die Parallelen zwischen Label und Akt sind offensichtlich. Beiden hatten bisher das Branding des NuJazz bzw. nur darauf reduziert zu werden. Kenner wissen dass das Schwachsinn ist. Compost hat nicht nur durch seine Sublabels Drumpoet Community und Black Label einen ganz neuen Markt an elektronischerer Musik erschlossen. So ist das auch bei den umtriebigen Spaniern. Sie haben durchaus die Ambitionen auch einen Platz in einem Case von Laurent Garnier oder AME zu bekommen. Der Vorbote konnte man bereits auf dem Compost Black Label im Oktober 2006 hören.

So gehen sie auf der Doppel-CD den schwierigen Weg alles in ein Boot zu bekommen. Die vermeidlich alten ,,Future Jazz Fans” und gleichzeitig Tür zu neuen Clubs und Fans aufzustoßen. Man darf hier laut ,,jawohl!!!” schreien. Sie haben es mit Bravur gemeistert.

Die Marschrichtung ist housiger als auf ihren frühren Werken. Die Elemente von Bossa Nova, Brazil und Latin Music sind auf CD1 zu einem Potpüree gepflegter Popmusik vereint. ,,Ridin’ on a wind” ist eingängig leicht und luftig schwingendes Discofutter. Ansteckend und aus dem Handbuch: Future-Funk der besten Marke ist der Track ,, Mr.Sun” der nur noch von den Broken Beats mit dem leckeren Brazil-Einschlag ,,Desejo” getoppt werden.

CD2 geht dann aber in die Vollen. Hier werden Ärsche bewegt: Schon das flotte Disco-Inferno ,,Funky Stuff”, der Name ist da Programm. WC wissen wie man die Tanzfläche bedient ohne in Plastik zu versumpfen bzw. zu verfallen. Die Oberfläche ist gut gemachter POP, wie ihn die Pet Shop Boys in ihren Hochzeiten nicht besser hinbekommen haben. Der Sound dahinter ist eine Welt für sich. Electro küsst Disco mit ,,Hands in the air”- Charakter (,,Start to play”). Dass die beiden Spanier ihre Lektionen in Sachen Groove gelernt haben steht außer Frage. Hier jagt ein Hit den anderen. Da scheint das vertrackte Elektrobrett ,,En el Barrio” eher eine up-liftende Ausnahme zu sein. Wenn aber auf ,,Don’t stop” und ,,Fever” die technoiden Strömungen einen eigenen Soundkosmos bilden, haben es die beiden geschafft, auch den Letzten von ihrer gewaltigen Kreativität zu überzeugen. Deep House zuggelt hier am Technohammer in einer Art und Weise die jedem, der sich darauf einlässt, die Seele streicheln kann. Die genick-brechenden, minimalen Beats auf ,,Contour Generator” treiben den letzten Tropfen aus den tanzwütigen Clubberer heraus. Während Wagon Cooking diese sogleich wieder mit ,,Mallorca” auf den Boden zurückholt – und zwar mit viel Getöse.

Applaus. Viel Applaus.

Peter Hagen (Jazzriots)

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