Drei Jahre vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird im beschaulichen Odenkirchen ein gewisser Walter Strearath geboren. Der als fleißig und musikverrückt geltende Junge entdeckte früh seine große Liebe zu Jazz und dem Klavier. Hier blühte er regelmäßig auf. In den 60ern tingelte er von Saal zu Saal und später von Festival zu Festival um einige, für Newcomer sehr wichtige, Preise einzuheimsen. Insider sprachen ihm damals großes Potential und eine großartige Zukunft voraus. Die internationale Presse horchte spätestens nach seinem gefeierten Album „Fly to Brazil“ im Jahre 1975 auf. Obwohl er von Kollegen wie Dizzy Gillespie oder Gato Barbieri sehr geschätzt war und mit ihnen auf der Bühne performte, wurde er nie als einer von ihnen gesehen. Strerath hatte den Ruf eines bodenständigen Arbeiters am Klavier der Kunst und Disziplin in improvisatorischen Orgien verarbeitete. Leider starb der Ausnahmepianist 1981 unvorhersehbar an einem Herzinfarkt.
Den Ruf eines der begnadetsten Jazzpianisten seiner Zeit zu die, dokumentierte das 1969 erstmals veröffentlichte Scheibe „Trio Quartett Quintett“. Dieses Album wird nun auf Sonorama Records wieder veröffentlicht (auch als Vinyl!) und zeigt welche Fähigkeiten der Mönchengladbacher Jazzvirtuose hatte. Vergleiche mit seinem persönlichen Vorbild Oscar Peterson waren damals schon nicht von sehr weit hergeholt. So ehren die Sonorama-Experten nochmal ein fast vergessenes Jazzgenie.
Peter Hagen